Das tränende Auge beim Kaninchen

Verfasser des Beitrags: Dr. Bärbl Mitschek-Jokisch, Dr. Josef Schiele

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Tränendes Auge beim Kaninchen

Kaninchen werden in der tierärztlichen Praxis häufig wegen eines starken, eitrig-klebrigen Augenausflusses und chronischer Bindehautentzündung vorgestellt. Wesentlich seltener ist dieses Krankheitsbild auch noch mit einem eitrigen, nicht heilenden Hornhautgeschwür kombiniert. Drückt man nahe der Nase auf das Unterlid so entleert sich aus dem Tränennasenkanal weißliches Sekret, oft auch aus dem gleichseitigen Nasenloch.

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Querschnitt des Tränennasenkanals beim Kaninchen

Durch die Putzbewegungen des Kaninchens sind die Vorderpfoten der betroffenen Seite beschmutzt. Als Ursache für diese Erkrankung, genannt Dacryocystitis, kommen bakterielle Infektionen mit Pasteurellen und Staphylokokken vor. Bei Infektionen sind meist beide Augen betroffen. Ist nur eine Seite betroffen, so liegt die Ursache häufig in einer Zahnerkrankung begründet. Der Grund hierfür liegt an dem Verlauf des Tränennasenkanals vom Auge zum Nasenloch. Er führt vom unteren Tränenpunkt am Unterlid (Kaninchen besitzen nur einen Tränenpunkt) in Höhe der Wurzel des ersten Oberkieferbackenzahns nach unten und in die Mitte und steigt nochmals in der Höhe der Schneidezahnwurzel nach oben in Richtung des gleichseitigen Nasenvorhofs.

Auf diesem Weg gibt es zwei Verengungen des Tränennasenkanals auf etwa die Hälfte seiner Weite, genau an den Stellen, wo die Zahnwurzeln des ersten Backenzahns bzw. Schneidezahns passiert werden. Das Lumen verengt sich von zwei mm auf ein mm. Diese Engstellen bergen die erhöhte Gefahr von Sekretstau (siehe rote Pfeile). Die Schneide- und Backenzähne des Kaninchens wachsen lebenslang. Die Länge der Zähne wird durch das Kauen von rohfaserreichem Futter konstant gehalten. Die Schneidezähne wachsen 2mm pro Woche, die Backenzähne 2-3mm pro Monat. Durch falsche Fütterung (viele Körner, Mischfutter, Leckerli, kein oder wenig Heu) werden die Zähne unzureichend abgenutzt. Sie werden überlang, die Zahnwurzeln werden gereizt und entzünden sich. Die entstehende Schwellung drückt auf den Tränennasenkanal.

roentgen kaninchen traenennasenkanal
Röntgenbild Tränennasenkanal

Neben diesen fütterungsbedingten Ursachen kommen noch genetisch bedingte Fehlstellungen, vor allem bei Zwergkaninchen vor. Vereinzelt werden Unfälle mit Kieferverletzungen als Ursache in Betracht gezogen. Bei reinen Hauskaninchen wird auch ein Mangel an UV-Licht und daraus resultierend ein ungenügender Calciumeinbau in den Zähnen und Knochen diskutiert.

Bei jedem Kaninchen mit Entzündung des Tränennasenkanals sollten daher auch die Zähne untersucht werden. Zu beachten ist, dass nur etwa 20% der Zahnerkrankungen durch die Untersuchung der Maulhöhle erkannt werden können. 80% können nur über Röntgenaufnahmen diagnostiziert werden. Werden Zahnerkrankungen erkannt, werden sie dementsprechend behandelt. Der Tränennasenkanal wird gespült. Bei ruhigen Kaninchen kann dies unter örtlicher Betäubung des Auges erfolgen. Es darf nur wenig Spüldruck ausgeübt werden. Da der Tränennasenkanal sehr dünnwandig ist. Reisst die Wand ein, so entstehen meist Narben und das Kaninchen entwickelt sich zum Augen-Dauerpatienten. Sind Bakterien an der Erkrankung beteiligt, werden Antibiotika lokal eingesetzt.

weitere Infos unter:

Tierarztpraxis Dr. Schiele, Lackermannweg, 483071 Stephanskirchen, Tel.: 08036-3033473, www.tierarztpraxis-rosenheim.de