Das Glaukom- Der grüne Star beim Hund

primaerglaukom rechts
Abb. 1 Akutes Primärglaukom rechts;
hoher Augendruck seint einigen Stunden; Pupille vergrößert; Erhalt des Sehvermögens möglich

Das Glaukom ist eine Gruppe von Erkrankungen, die mit der Schädigung von Netzhaut und Sehnerv durch einen mehr oder weniger erhöhten Augeninnendruck einhergeht. Der Begriff "Star" kommt vermutlich aus dem Althochdeutschen und beschreibt Erblindungsursachen, die nach der Farbe des Auges bezeichnet wurden, z.B. "Grauer Star", "Grüner Star", "Schwarzer Star" etc. Der Begriff "Glaukom" geht auf das griechische Wort "glaucos" für "meeresfarben" zurück, da bei einem starken Druckanstieg die Hornhaut bläulich erscheinen kann. Durch einen Übersetzungsfehler wurde daraus die Bezeichnung "Grüner Star".

Das Auge vieler Tierarten und des Menschen hat einen normalen Augendruck zwischen 10 und 20 mmHg. Dabei gibt es individuelle Unterschiede und z.B. tagesrhythmische Schwankungen innerhalb der physiologischen Grenzen.

Der Augendruck wird durch die permanente Produktion des sogenannten Kammerwassers aufrechterhalten. Diese durchsichtige Flüssigkeit muss in einem dynamischen Gleichgewicht zu- und abfließen. Das Kammerwasser wird im nichtpigmentierten Ziliarkörperepithel produziert und fließt hauptsächlich über den Kammerwinkel ab. Es hat wichtige physiologische Funktionen im Auge, z.B. die Ernährung der verschiedenen inneren Augenstrukturen, aber auch den Abtransport von Stoffwechselendprodukten. Wenn die Drainage des Kammerwassers behindert ist, kommt es durch die nahezu gleichbleibende Kammerwasserproduktion zum Druckanstieg im Auge und damit zum Glaukom.

Die Symptome des Glaukoms sind oft ähnlich denen anderer Augenerkrankungen und müssen nicht unbedingt stark ausgeprägt sein. Deshalb besteht die Gefahr des Verwechselns oder des Unterschätzens. (s. Abb. 1)

Chronisches Glaukom links
Abb. 2 Chronisches Glaukom links; hoher Augendruck seit mehreren Wochen; Sehvermögen ist irreparabel verloren; Schmerzbekämpfung

In vielen Fällen tritt das Glaukom akut zuerst einseitig auf und äußert sich mehr oder weniger stark durch Rötung, Schmerzzeichen wie z.B. Nickhautvorfall und Trübung der Hornhaut. Wichtigstes auch für den Besitzer erkennbares Zeichen eines Druckanstieges ist die starre, mittelweite Pupille, die nicht oder schlecht auf Licht reagiert und sich bei Lichteinfall nicht eng stellt (fehlender Pupillar-Licht-Reflex). Diesen Reflex kann der Tierbesitzer selbst mittels einer Taschenlampe prüfen.

Vom Menschen ausgehend ist anzunehmen, dass ab einem Augeninnendruck von 30 bis 35 mmHg Schmerzen empfunden werden, die migräneartigen Kopfschmerzen ähnlich sind. In manchen Fällen beobachtet der Besitzer ein reduziertes Allgemeinbefinden des Tieres. Beim chronischen Glaukom vergrößert sich der Augapfel durch die andauernde Druckwirkung. Dann ist das Sehvermögen fast immerdauerhaft verloren, so dass das Ziel der Therapie nur noch die Schmerzbehandlung sein kann. (s. Abb. 2)

Die Diagnose des Glaukoms ist nicht mit der Feststellung des erhöhten Augeninnendrucks abgeschlossen. Für die Therapie und Prognose für das Partnerauge ist es entscheidend, die Ursache zu klären. Eine wichtige Untersuchungstechnik dafür ist die Gonioskopie (= Betrachtung des Kammerwinkels).

Je nach Ursache der Abflussbehinderung unterscheidet man das Primärglaukom und das Sekundärglaukom. Beim Primärglaukom verursachen angeborene, veranlagungsbedingte (erbliche) Veränderungen im Kammerwinkel oft plötzliche und heftige Druckanstiege. Da in diesen Fällen die Kammerwinkel beider Augen verändert sind, ist in der Regel zu befürchten, dass nach dem ersten betroffenen Auge in dem Partnerauge nach einer unbestimmten Zeit (Wochen, Monate) ebenfalls der Augendruck ansteigt. Primärglaukome treten bei bestimmten Rassen (z.B. Entlebucher, Husky, Basset, Spanielrassen, Shar-Pei u.v.a.m.) gehäuft auf. Zur Bekämpfung ist es sinnvoll, wenn die Zuchttiere durch einen examinierten DOK-Tierarzt untersucht und gegebenenfalls betroffene Tiere von der Zucht ausgeschlossen werden. Sekundärglaukome werden durch in Folge einer anderen Augenerkrankung erworbene Abflussstörung verursacht. Häufige Ursachen für Sekundärglaukome sind chronische Entzündungen der Aderhaut (Uveitis), Blutungen ins Auge und Tumore. In diesen Fällen werden im Kammerwinkel Membranen, Entzündungsprodukte oder Zellen abgelagert, wodurch der Abflusswiderstand erhöht wird.

Ein akutes Glaukom kann, je nach Höhe und Geschwindigkeit des Druckanstiegs und der individuellen Widerstandsfähigkeit des Auges, innerhalb von Stunden zu einer irreparablen Erblindung führen. Die Erblindung wird durch das Absterben der Nervenzellen in der Netzhaut verursacht sowie durch die Unterbrechung der Nervenfasern durch den hohen Druck. Darüber hinaus ist ein starker Druckanstieg schmerzhaft.

Das akute Glaukom ist immer ein absoluter Notfall, der so schnell wie möglich behandelt werden muss.

Oberstes Ziel der Glaukomtherapie ist die rasche und dauerhafte Senkung des Augeninnendrucks, um das noch vorhandene Sehvermögen zu erhalten und/oder den Dehnungsschmerz zu reduzieren. Entscheidend für die erfolgreiche Therapie ist vor allem die schnelle Diagnose. Unter Umständen können Stunden zählen.

Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, den Druck zu senken:

(1) die Verringerung der Kammerwasserproduktion

(2) die Steigerung des Kammerwasserabflusses.

Beides kann durch die medikamentöse Behandlung (z.B. mit Tropfen) oder verschiedene operative Maßnahmen (z.B. Lasertherapie oder Ventiloperationen) erreicht werden. Die Behandlungsmethode hängt von der Ursache und dem Verlauf des Glaukoms ab. In vielen Fällen müssen verschiedene Medikamente und Behandlungsmethoden kombiniert werden. Falls keine Aussicht auf die Wiederherstellung des Sehvermögens oder eine Drucksenkung besteht, kann durch die Entfernung des Auges eine erfolgreiche Schmerzbehandlung erfolgen. Ein deutlich besseres kosmetisches Ergebnis erhält man in diesen Fällen durch das Einsetzen eines Silikonimplantates als Platzhalter.

Entscheidend ist, dass das Glaukom zwar akut auftreten kann, aber trotzdem eine chronische Erkrankung ist, die eine lebenslange Therapie und Kontrolle erfordert.

Ein Laser arbeitet mit kohärentem Licht, das in der Natur in dieser Form nicht vorkommt. Je nach Anwendungsgebiet und benötigter Wirkung verwendet man Laser unterschiedlicher Farben (Wellenlängen).

In der Glaukomtherapie benutzt man einen Infrarot-Diodenlaser (810 nm). Das Licht durchdringt die, den Augapfel umhüllende, Leder- und Aderhaut und wird größtenteils vom pigmentierten Teil des Ziliarkörpers absorbiert und in Wärme umgewandelt. Unmittelbar über diesem pigmentierten Ziliarkörperepithel liegt das unpigmentierte Ziliarkörperepithel, das das Kammerwasser produziert. Die gewünschte Hitzeentwicklung im Gewebe zerstört punktuell Teile des Ziliarkörperepithels und reduziert so die Menge des neu gebildeten Kammerwassers.

Das Glaukom (= Grüner Star) ist eine Gruppe von Erkrankungen, die mit der Erhöhung des Augeninnendrucks, Schmerzen und irreparabler Erblindung einhergeht. Für eine erfolgreiche Therapie ist die schnelle Diagnose und die sofortige, konsequente Drucksenkung absolut entscheidend. Das akute Glaukom ist ein Notfall !

 

Weitere Infos unter:

Tierärztliche Praxis für Augenheilkunde Dr. Jens Fritsche,
81476 München, Kreuzhofstraße 10, Telefon: +49 (0)89 1 59 09 44 00
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