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Uveitis - Klimatherapie

Ein Beitrag der Uveitis-Selbsthilfegruppe Gütersloh

In den 1970er Jahren zeigte sich bei zwei Patienten mit intermediärer Uveitis sowie gleichzeitig bestehender Schuppenflechte und Gelenkbeteiligung naöch einem Aufenthalt an der spanischen Mittelmeer- und Atlantikküste eine Besserung ihrer Haut- und Augenbefunde.

1978 wurde bei einem  10-jährigen Jungen mit chronisch-rezidivierender Cyklitis und atopischer Dermatitis ebenfalls eine Rückbildung seiner Haut- und Augenveränderungen ohne weitere Medikamenteneinnahme nach mehrwöchigen Aufenthalten in supbtropischen Ländern festgestellt.

Bemerkenswert ist, dass beide Organe (Haut und Auge) zu gleichen Anteilen aus äußeren und mittlerem Keimgewebe stammen. Wenn sowohl Haut und Auge erkranken uns sich bei Aufenthalt in subtropischen Ländern zeitgleich bessern, handelt es sich vermutlich um einen identischen Heilungsprozess.

Um diesem Phänomen nachzugehen, führte die Universitäts-Augenklinik Kiel auf Anregung von Liz Mohn (Bertelsmann Stiftung) nach einer Pilotstudie 1981 in den Jahren 1985 und 1986 zwei weitere Studien an insgesamt 70 Patienten am Toten Meer in Israel durch.

Während schon die Pilotstudie eine erfreuliche Bestätigung der erhoffen Wirkung erkennen ließ, brachte die wissenschaftliche Auswertung der beiden folgenden Studien die gleichen positifen Ergebnisse:

  • Drei Monate nach Rückkehr aus Israel zeigten 39% eine Verbesserung des Sehvermögens, nach sechs Monaten sogar 44%
  • Die durchschnittliche Rate der Entzündungsschübe reduzierte sich von 2,9 auf 1,0 pro Jahr.
  • Traten dennoch Entzündungsschübe auf, so verliefen sie weniger heftig und lang.
  • Bei vielen Patienten konnten die nebenwirkungsträchtigen Kortisonpräparate reduziert, bei manchen sogar abgesetzt werden.

Wie wirkt die Klimatherapie?

Die Haut enthält wesentliche Teile (die so genannten Langerhanszellen) des Immunsystems. Durch eine intensive Bestrahlung des Körpers mit UV-Licht werden diese Zellen so verändert, dass es zur Abschwächung von Immunreaktionen mit einer Linderung des Entzündungsgeschehens und einer Besserung des Sehvermögens kommt.

Waren diese Beobachtungen eingangs rein empirisch, so erfahren sie inzwischen eine Bestätigung durch Erkenntnisse vor allem der dermatologischen Immunologie.

Ob bei dieser Abschwächung von Immunreaktionen im Sinne milder Immunsuppression das UV-Licht allein oder zusätzliche Faktoren wie Wärme, Allergenarmut sowie Sauerstoff- und Elektrolytgehalt der Luft wirksam sind, ist noch nicht erforscht.

Wo und wie wird die Klimatherapie durchgeführt?

Grundsätzlich kann die Therapie in allen subtropischen Gebieten mit möglichst intensiver UV-Einstrahlung durchgeführt  werden. Dabei wird dem Gebiet um das Tote Meer der Vorzug gegeben, weil hier in der bis zu 400 m unter dem Meeresspiegel liegenden Region die besonderen atmosphärischen Gegebenheiten (Wasserdamf und Mineralien) das Licht wellenlängenabhängig absorbieren und reflektieren. Dadurch überwiegen die positiv wirksamen langwelligen UVA-Strahlen und der kürzwellige UVB-Teil wird vermindert, sodass es trotz intensiver Exposition kaum zu Sonnenbränden kommt.

Für die meist vierwöchigen Klimatherapie am Toten Meer sind die Monate April bis Juni sowie September/Oktober am geeignesten. Während dieser Zeit finden sich dort für eine Klimatherapie ideale Temperaturen. Die meist heißesten Montate Juli und August mit 45 bis 50° Celsius sind dagegen für eine Klimatherapie der Uveitis kaum zu empfehlen. Die Therapie erfolgt als Ganzkörpersonnenbehandlung. Die Stunden der Sonnenbehandlung dürfen auch am Toten Meer nur langsam gesteigert werden, von zunächst je 20 Minuten morgens und nachmittags langsam auf - je nach Hauttyp - fünf bis sechs Stunden pro Tag. Nach sieben bis zehn Tagen wird auf diese Weise fast immer die maximal mögliche und erforderliche Stundenzahl erreicht. Haut- und augenärztliche Kontrollen vor Ort sind gewährleistet.

Durch die große Hitze, die am Toten Meer wegen der niedrigen Luftfeuchtigkeit übrigens gut vertragen wird, kommt es zu starken Wasserverlusten des Körpers; daher sollten bis zu fünf Liter pro Tag getrunken werden.

Für wen ist die Klimatherapie geeignet?

Die Klimatherapie ist für alle Uveitis-Patienten geeignet, deren Erkrankung als endogen, allergisch-immunologisch, rheumatisch oder insgesamt unklarer Ursache eingestuft wurde.

Sie ist insbesonders dann zu erwägen, wenn sich unter der schon länger laufenden Behandlung mit Kortison erste Komplikationen wie Katarakt oder Glaukom anbahnen. Dies gilt besonders für Patienten, die schon unter geringen Kortisondosen erhöhten Augeninnendruck zeigen.

Die Klimatherapie ist auch dann erwägen, wenn bei Kindern unter längerfristiger systemischer Kortisongabe Wachstumsstörungen drohen und von einer geplanten Kombinationsbehandlung von Kortison und Immunsuppresiva.

 

 

 

Weitere Forschung unverzichtbar

Wenn auch schon jetzt viele Patienten und Augenärzte die neue Klimatherapie der endogenen Uveitis als wichtigen Mosaikstein in der aktuellen Therapiepalette ansehen, ist dennoch weiterführende Forschung notewendig.

Lichttherapie

Die Lichttherapie mit natürlichem Sonnenlicht, die so genannte Heliotherapie, wird schon seit langem in der Naturheilkunde zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. Hierbei beeinflusst die Sonne den gesamten menschlichen Organismus, wobei ihr primäres Zielorgan die Haut ist. Mit einer Oberfläche von bis zu zwei Quadratmetern stellt die Haut das größte menschliche Organ dar. Immunmodulatorische Mechanismen sind für die künstliche UVB- und UVA-Bestrahlung nachgewiesen.

Folgende positive Effekte hat die UV-Strahlun auf den menchlichen Organismus:

  • Einleitung der Vitamin D-Synthese
  • immunmodulierende Wirkung (höher dosiert wirkt UVA-1-Licht mild immunsuppressiv und entzündungshemmend)
  • Veränderung der körpereigenen Abwehrmechanismen
  • Beeinflussung endokrinologischer Paramter
  • Verbesserung des subjektiven Wohlbefindens.
Die Ansprechpartnerin der Uveitis-Selbsthilfegruppe Gütersloh ist:
Monika Abel
Richard-Dopheide-Weg 23
D-33332 Gütersloh
Tel.: 0 52 41/4 93 57
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