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Spezielle Frühförderung für Kinder

Seit etwa drei Jahrzehnten hat sich in Deutschland ein inzwischen flächendeckendes Netz von speziellen Frühförderstellen für blinde, sehbehinderte und mehrfachbehindert- sehgeschädigte Kinder herausgebildet.

Die Mehrzahl dieser insgesamt über 50 Frühförderstellen sind Schulen für Blinde und Sehbehinderte angegliedert und betreuen Kinder von der Geburt bis zur Einschulung. Eine zunehmend interdisziplinäre Zusammensetzung der Frühförderteams (Sonder,- Heil- und SozialpädagogenInnen) durch die Einbeziehung von Dipl.PsychologenInnen, OrthoptistenInnen und MobilitätslehrerInnen wird zwar angestrebt, ist aber noch nicht durchgehend verwirklicht.

Rahmenbedingungen

In die Förderung können neben sehgeschädigten auch sehauffällige Kinder mit einem höheren Visus als 0,3 aufgenommen werden, wenn der Einsatz ihres Sehens im Alltag beeinträchtigt ist oder visuelle Wahrnehmungsstörungen vorliegen. Frühzeitigkeit (Beginn möglichst im 1. Lebensjahr), Nachhaltigkeit (wöchentlicher oder 14-tägiger Betreuungsrhythmus) und Niederschwelligkeit (rascher Zugang ohne verwaltungsmäßige Barrieren) sind unverzichtbare Rahmenbedingungen, damit Eltern und Kinder von dem Angebot wirklich profitieren können. Als Rückgrat aller Fördermaßnahmen hat sich die mobile Hausfrühförderung bewährt.

Frühförderung ist ganzheitlich

Blindheit und Sehbehinderung haben komplexe Auswirkungen auf die gesamte Entwicklung des Kindes. Ohne frühzeitige, spezifische Fördermaßnahmen besteht für die betroffenen Kinder ein erhebliches Entwicklungsrisiko.
Die Förderung bezieht sich deswegen auf alle Entwicklungsbereiche, auf das Sozial- und Spielverhalten, die Begriffsbildung, die Bewegung, die Orientierung und Mobilität sowie die lebenspraktische Selbständigkeit. Das handlungsleitende methodische Prinzip der Frühförderung sehgeschädigter Kinder besteht in dem Versuch, die Einschränkungen der verschiedenen Funktionen, die das Sehen normalerweise für das menschliche Verhalten übernimmt, durch geeignete Maßnahmen zu kompensieren.

Sehförderung im Alltag

Ein zentrales Aufgabenfeld besteht darin, die Kinder frühzeitig zu lehren, ihr verbliebenes Sehvermögen häufiger zu nutzen und bestmöglich einzusetzen. Dabei geht es um die Verbesserung von Such- und Explorationsstrategien letztlich mit dem Ziel, Personen, Objekte und Örtlichkeiten zu finden und zu erkennen.
Das frühzeitige Einüben des Umgangs mit optischen Hilfsmitteln ermöglicht es den Kindern, diese im Alltag ganz selbstverständlich einzusetzen. Unterstützt wird dieses Lernen durch eine sehbehindertengerechte Gestaltung der Umgebung, durch geeignete Beleuchtung, kontrastreiches Spielmaterial, Markierungen, etc. Auch in Fällen, bei denen aufgrund der organischen Schädigung des Auges eine Steigerung der Sehschärfe nicht zu erreichen ist, sind durch frühe Förderung häufig deutliche Verbesserungen beim funktionalen Sehen, bzw. beim visuell gesteuerten Handeln möglich.

Frühzeitige Erfassung

Wird durch einen Augen- oder Kinderarzt eine Sehbeeinträchtigung festgestellt, so sollte dieser die Eltern unbedingt auf die für sie kostenlosen Angebote der speziellen Frühförderstellen hinweisen und so den rechtzeitigen Beginn von Fördermaßnahmen einleiten.

 

Matthias Zeschitz, Dipl.Psych.appr.
Blindeninstitutsstiftung Würzburg
Abteilung Frühförderung
Email:ff-Wbg@blindeninstitut.de 

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