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Ringe gegen Kurzsichtigkeit

Intracornealer Ring

 
Eigentlich handelt es sich noch nicht einmal um einen Ring, sondern nur um dessen aus hochgreinigtem, medizinischem Polymethylmethacrylat hergestellten Segmente. Dieses biologisch hervorragend verträgliche Material wird seit fast 50 Jahren für die Herstellung von Kunstlinsen verwendet, zur Einpflanzung ins Auge beispielsweise bei einer Operation des Grauen Stars.

Wird nun der Ring über einen winzig kleinen Schnitt in die Hornhaut eingesetzt, verändert sich die Hornhautbrechkraft. Mit unterschiedlichen Ringdicken lassen sich unterschiedliche Werte von -1,0 bis -5,0 Dioptrien Kurzsichtigkeit ausgleichen.

Der positive Effekt der operativen Korrektur tritt in der Regel sehr schnell ein. "Am Tag nach dem ambulanten Eingriff konnte ich schon wieder sehr gut sehen. Auch konnte ich am Abend bereits Auto fahren", berichtet eine Patientin. Nicht bei jedem geht es allerdings so reibungslos. Es kann auch einmal mehrere Wochen dauern, bis ein Patient wieder die volle Sehschärfe erreicht hat.

Das Einsetzen des intracornealen Ringes in die Hornhaut erfolgt unter sterilen Bedingungen, in der Regel unter örtlicher Betäubung mit Augentropfen.

"Warum spüre ich eigentlich keinen Fremdkörper?" Häufig wird diese Frage dem Operateur gestellt. Da die Hornhauttiefe nicht besonders mit Nerven versorgt ist, wird meist der eingepflanzte Ring vom Träger selbst nicht wahrgenommen. Er sitzt stabil zwischen den Hornhautlamellen und hat keinen Kontakt mit der Hornhautoberfläche.

Allenfalls in den ersten Stunden nach der Operation können leichte Beschwerden, wie Fremdkörpergefühl, Stechen, Reiben, im Bereich des kleinen Schnittes auftreten. Mit schmerzlindernder Medikation und Salben bereitet die Heilungsphase aber keine weiteren Probleme.

Der winzige Operationsschnitt wird mit zwei feinen, mit bloßem Auge nicht sichtbaren Hornhautnähten verschlossen. Die Fäden können zwischen zwei und vier Wochen nach dem Eingriff schmerzfrei entfernt werden. Oft ist schon nach der Fadenentfernung die Endrefraktion (angesterbte Brechkraft) erreicht.

Vorteile des intracornealen Ringes

Die Operation ist dosierbar. Mit verschiedenen Ringdicken ist es möglich, den Kurzsichtigkeitsbereich von -1,0 bis zu -0,5 Dioptrien abzudecken. Sollte die Brechkraft nicht vollständig ausgeglichen sein, kann der Ring mit einer einfachen Operation gegen einen stärkeren oder schwächeren ausgetauscht oder auch wieder ganz entfernt werden.

Narbenbildung, wie nach einem Lasereingriff, kann nicht entstehen, da der Ring nahe dem Hornhautrand sitzt. Er läßt die Hornhautmitte, durch die das Licht in das Auge einfällt, völlig frei.

Nachteile des intracornealen Ringes

Wie bei jedem operativen Verfahren ist eine Infektion nicht mit letzter Sicherheit auszuschließen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist. Darüber hinaus können sich entlang des Ringes feine Ablagerungen bilden.

Hin und wieder tritt bei Patienten ein leichtes Verzerrt- oder Doppeltsehen auf, seltener kommt es zu chirugischen Komplikationen. In solchen Fällen kann der Ring aus der Hornhaut entfernt werden.

Wann darf der intracorneale Ring nicht eingesetzt werden ?

Voraussetzung ist, daß der potentielle Ringträger gesund ist. Um jedes Risiko auszuschließen, sollte man sich nicht während eienr Schwangerschaft operieren lassen.

Liegt eine Hornhautverkrümmung (Asigmatismus) vor, sollte sie nicht mehr als 1 Dioptrie betragen. Augenerkrankungen oder Narben, insbesondere an der Hornhaut, zum Beispiel nach Entzündungen oder Operationen, dürfen ebenfalls nicht bestehen.
Bei Menschen mit besonders großen Pupillendurchmesser (mehr als sieben Millimeter), muß auf die höhere Blendungsempfindlichkeit hingewiesen werden, denn bei Dunkelheit, insbesondere bei Gegenlicht (Straßenverkehr), kann der Ring Licht ins Auge streuen. Dies schränkt die Nachtfahrtauglichkeit ein. Die Mehrzahl der Patienten jedoch berichtete, keinerlei Beschwerden zu spüren. "Anfangs habe ich nachts gelegentlich seitlich einfallende Lichtstrahlen wahrgenommen. Eine Erscheinung, die jedoch nach wenigen Wochen verschwand." Diese häufige Aussage beschreibt, wie schnell das Auge in der Lage ist, sich veränderten optischen Bedingungen anzupassen.

Es wird weiter geforscht

Die wissenschaftliche Weiterentwicklung des intacornealen Rings läuft auf Hochtouren. In der Entwicklung befindet sich eine Ringvariante, die gleichzeitig Kurzsichtigkeit und Hornhautverkrümmung ausgleicht. Mit einem Eingriff ließen sich dann Kurz- und Stabsichtigkeit beseitigen. Eine Forschungseinrichtung arbeitet speziell an einem Ring zur Korrektur der Weitsichtigkeit. Erste Implantationen erfolgten vor ca. sechs Monaten. Wie vielversprechend diese operative Methode für die Zukunft ist, wierde sich nun bald zeigen.

Prof. Dr. med. H. Höh

Häufigste Patienten-Fragen vor einer Operation

"Ist das Ergebnis, das mit dem Ring ereicht wird, von Dauer?"
Bisher liegen Erfahrungen einer Nachbeobachtung von ca. fünf Jahren vor. Innerhalb dieser Zeit blieben die Werte bei den Ring-Anwendern stabil, wie Untersuchungen ergeben haben. Ob das auch in 10 bis 15 Jahren so sein wird, ist nicht bekannt. Die bisherigen Ergebnisse und wissenschaftlichen Grundlagen lassen aber eine weitere Korrektur-Stabilität erwarten.

"Ich bin leicht kurzsichtig, trage aber auch eine Lesebrille. Ist für mich der Ring empfehlenswert?"
Der Ring kann zwar Ihre Kurzsichtigkeit beheben, aber zum Lesen bräuchten Sie dann sogar eine stärkere Brille. Es hängt davon ab, ob Sie überwiegend in der Ferne oder in der Nähe sehen müssen.

"Mein elfjähriger Sohn ist kurzsichtig (-4,0 Dioptrien). Ist in seinem Alter die Ring-Implantation schon möglich?"
Im Prinzip ja. Aber erfahrungsgemäß nimmt in der Pubertät die Kurzsichtigkeit noch ein wenig zu. Diesen Pubertätsschub sollten Sie abwarten, sonst müßte der Ring unter Umständen noch einmal ausgetauscht werden. Wenn sich später die Kurzsichtigkeit bei Ihrem Sohn nicht mehr wesentlich ändert, ist eine Implantation möglich.

"Ich bin weitsichtig. Meine Brillenwerte sind +3,5 Dioptrien auf beiden Augen. Ist der Ring für mich geeignet?"
Für die Weitsichtigkeit befindet er sich noch im Statium der klinischen Erbrobung. Die ersten Ringe wurden vor sechs Monaten eingepflanzt. Voraussichtlich ist in diesem Jahr mit ersten Ergebnissen zu rechnen. Dann wird sich zeigen, bis zu welchen Werten auch eine Weitsichtigkeit ausgeglichen werden kann. 

Quellennachweis: Augenlicht 1. Quartal '98

 

 

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