Sie befinden sich hier:>Infos für Patienten>Für Sie gelesen>Metastasiernde Melanome des Auges

Metastasiernde Melanome des Auges

Metastasiernde Melanome des Auges: Optimales Screening zweimal im Jahr
und
Wird die Entstehung von Uvealmelanomen durch Handy's gefördert ?

Zwei Berichte von Dr. rer nat., Dipl. biol. Erich Lederer

Dr. Erich Lederer
Studium der Biologie - Fachbereich Mikrobiologie
zuletzt - Wissenschaftlicher Mitarbeiter
an der AG Immunbiologie der Augenklinik München;
Schwerpunkt: Autoimmun-Uveitis
seit Juli 2000 - Journalistenakademie München
 
1/2001 


Metastasiernde Melanome des Auges: Optimales Screening zweimal im Jahr 


Melanome, die im Bereich der Augen entstehen, sind zwar selten, aber für den Betroffenen katastrophal. Ähnlich wie bei der Krebsentstehung von pigmenttragenden Zellen der Haut bilden sich oft Metastasen an anderen Körperorganen. Beim uvealen Melanom metastasieren über 50% der Primärtumoren innerhalb von 5 Jahren. Auch bei dieser Form gibt es bis jetzt keine effektive Therapie gegen die Krankheit, die sich insbesondere in der Leber rasch ausbreitet. Trotz verschiedener Bemühungen mit Chemo- und Immuntherapie sterben Patienten, die erst einmal dieses Stadium erreicht haben, mit einer Wahrscheinlichkeit von 85% innerhalb eines Jahres.

Über die Faktoren bei der Entstehung des Primärtumors in der Aderhaut ist nur wenig bekannt. Insbesondere durch Stahlungsbelastungen und einen ungünstigen Pigmenttyp - wie zum Beispiel bei blauen Augen - erhöht sich nach bisherigen Untersuchungen das Risiko.

Um nach der Behandlung des Primärtumors rechtzeitig den Ausbruch von Metastasen zu erkennen, ist ein regelmäßiges Screening notwendig. Aber in welchen Zeitabständen? Um die bestmöglichen Untersuchungsintervalle zu ermitteln, ist eine Kenntnis der Verdoppelungszeit der metastasierenden Melanomzellen sehr hilfreich.
Sebastian Eskelin und seine Kollegen aus Helsinki präsentieren in einer Veröffentlichung in Ophtalmology im August 2000 eine erste retrospektive Studie über die Kinetik dieser Lebermetastasen. Dabei wurden 37 Patienten der Studie metastasierendes Melanom durch durch Ultrasonografie (US) oder Computertomografie(CT) diagnostiziert.
Die Verdoppelungszeit des Tumors wurde durch die Volumenzunahme der Metastasen bestimmt. Von den grössten Lebermetastasen wurde dabei auf das Volumen der Ersterkennung durch US bzw. CT zurückgerechnet. Eine sichere Erkennung von Metastasen ist bei einem Durchmesser von 4 bis 8 mm möglich. Mit dieser Annahme und dem bekannten Zeitraum des letzten negativen Scans bis zum Zeitpunkt der Ersterkennung kann auf die Verdoppelungszeit der unbehandelten metastasierenden Melanome geschlossen werden. Dabei ergeben sich Verdoppelungszeiten von 34 bis 220 Tagen. Zwei Drittel der Metastasen verdoppeln sich im Zeitraum zwischen von 30 bis 70 Tagen, bei Frauen deutlich schneller als bei Männern. Bei einer angenommenen Zellgröße von 4 . 10-6 mm³ lässt auf den Beginn der Metastasierung schließen. Dieser lag bei den meisten der Tumoren innerhalb der letzten fünf Jahre und im Durchschnitt bei 3 Jahren.

Die Wissenschaftler fanden keinen Zusammenhang zwischen der Wachstumsgeschwindigkeit der Metastasen während der Therapie und zum Zeitpunkt ihrer Diagnose. Ebenfalls konnten sie keine Abhängigkeit zwischen Verdoppelungszeit vor der Therapie und der Länge der kranheitsfreien Phase nach der Behandlung des Ersttumors feststellen. Daher ist es unwahrscheinlich, dass die Wachstumsgeschwindigkeit der Metastasen während ihrer ganzen Entwicklung konstant bleibt. Wahrscheinlich vermehren sich die Zellen bei den ersten Teilungen wahrscheinlich langsamer als im fortgeschrittenen Stadium.
Dennoch weisen die Zahlen darauf hin, dass die Entstehung von metastasierenden Zellen aus dem Primärtumor in den meisten Fällen vor Beginn der Behandlung des Tumor am Auge einsetzt und somit unabhängig von dessen Behandlungsmethode ist.
Bei allen Einschränkungen gibt die Studie wertvolle Hinweise auf ein verbessertes Screeningintervall nach der Erstbehandlung des Melanoms. Bei der Verkürzung von derzeit 12 Monaten auf 4-6 Monate könnten ca. 95% der Metastasen noch im asymptomatischen Stadium festgestellt werden. Während der Therapie liegt die Verdoppelungszeit der Lebermetastasen bei durchschnittlich 255 Tagen. Durch eine systemische Behandlung, die auch metastasierende Zellen außerhalb der Leber berücksichtigt, sowie zusätzliche begleitende Therapie auch nach der Entfernung des Primärtumors können die Chancen für den Patienten weiter verbessert werden.

Quelle:

Eskelin, S. et al.: Tumor doubling times in metastatic malignant melanoma of the uvea.
Ophtalmology (2000) 107; 1443-1449.
Gragoudas, E.S., Egan, K.M.: Uveal Melanoma. A rare Malignancy. Ophtalmology (2000) 107; 1441-1442
 


Wird die Entstehung von Uvealmelanomen durch Handy's gefördert ? 


Benutzer von Handys und anderern mobilen Funkquellen leben offensichtlich mit einem höheren Risiko, an einem Melanom des Auges zu erkranken, als der Rest der Bevölkerung.
In einer Studie an der Essener Universitätsklinik wurden 118 Melanompatienten nach dem Gebrauch solcher Geräte befragt. Im Vergleich zu 475 Kontrollen stellten Andreas Stang und seine Kollegen bei Personen, die über mehrere Stunden täglich diesen elektromagnetischen Strahlen ausgesetzt waren, ein bis zu 3,3 fach erhöhtes Risko fest.
Andere Strahlungsquellen wie Hochspannungsleitungen, Radareinrichtngen oder niedrigstrahlende Computerbildschirme sind nach dieser Studie nicht mit einer höheren krankheitswahrscheinlichkeit verknüpft. Über die genauen Mechanismen bei der Krebsauslösung ist jedoch bisher kaum etwas bekannt. Möglicherweise wird die Strahlungsaufnahme durch die wässrigen Bestandteile des Auges gefördert, mutmaßen die Autoren desw Artikels in der Zeitschrift "Epidemiology".

Quelle:

Andreas Stang, Gerasimos Anastassiou, Wolfgang Ahrens, Katja Bromen, Norbert Bornfeld, und Karl-Heinz Jöckel: The Possible Role of Radiofrequency Radiation in the Development of Uveal Melanoma; Epidemiology, Volume 12, Number 1, January 2001
www.Gesundheitspilot.de , Newsletter vom 16.1.2001 

Infos für Patienten