Genetischer Einfluß auf frühe, altersabhängige Makulopathie: Eine Zwillingsstudie
Ausgabe April 2002
Exzerpt aus
Hammond CJ, Webster AR, Snieder H et al.
Genetic Influence on Early Age-related Maculopathy
A Twin Study,
Ophthalmology 2002; 109:730-736
zusammengestellt von Doris Meixensberger und Dr. Dieter Klaas
Genetischer Einfluß auf frühe, altersabhängige Makulopathie
Eine Zwillingsstudie
Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist die häufigste Ursache für Erblindung in den Industrieländern. Die genetischen Mechanismen früher altersabhängiger Makulopathie (ARM) und AMD sind von Interesse, da bei diesen Krankheitsbildern Phänotypen zu beobachten sind, die denen kongenitaler Krankheiten ähneln, bei denen bereits Mutationen identifiziert wurden, die Vererbbarkeit von ARM und AMD dagegen noch unbekannt ist.
Studien mit Eltern-Kind-Szenario konnten bereits eine familiäre Häufung von ARM und AMD zeigen, was einen Einfluß genetischer Faktoren vermuten läßt. Bei der vorliegenden Studie handelt es sich um eine klassische Zwillingsstudie, die zum Zwecke eines Vergleichs der Konkordanz bei monozygotischen (MZ) und dizygotischen (DZ) Zwillingen ohne weitere Ausschlußkriterien an Freiwilligen durchgeführt wurde. Zur Untersuchung kamen 506 weibliche Zwillingspaare mit einem mittleren Alter von 62 Jahren. Die Verteilung der Zwillingspaare war 226 MZ und 280 DZ.
ARM wurde anhand von stereoskopischen Makulaaufnahmen von 501 Zwillingspaaren (99%) nach dem System der internationalen ARM epidemiologischen Studiengruppe ausgewertet. Die fallweise Konkondanz der Zwillingspaare wurde mit 2 x 2 Kontingenztabellen für betroffene/nicht betroffene Zwillinge ausgewertet. Auf Basis dieser Tabellen wurde dann die maximale Wahrscheinlichkeit einer genetischen Prädisposition zur Einschätzung der Vererbbarkeit der bewerteten Phänotypen ermittelt. Zur Auswertung kamen das Vorliegen einer ARM, die Konkordanz der Phänotypen einer ARM, weiche Drusen mit > 63µm und ³ 125µm Durchmesser, Pigmentveränderungen und harte Drusen (Anzahl < 20 und ³ 20) bei MZ und DZ Zwillingen sowie die Vererbbarkeit der ARM und ihrer Subphänotypen.
Das Gesamtaufkommen von ARM betrug 14,6% (95% Vertrauensbereich, 12,4-16,8). Die Konkordanz bei ARM betrug bei MZ Zwillingen 0,37, im Vergleich zu 0,19 bei den DZ Zwillingen, was auf einen genetischen Einfluß hindeutet, der im Falle der Phänotypen der ARM, weichen Drusen, Pigmentveränderungen und ³ 20 harten Drusen beobachtet werden konnte, wenn auch bei den verstreuten (< 20) harten Drusen nur ein geringer genetischer Einfluß festgestellt werden konnte. Die Vererbbarkeit der ARM wird auf 45% (95% Vertrauensbereich, 35% - 53%) geschätzt. Die höchste Vererbbarkeit von Phänotypen lag bei weichen Drusen ³ 125µm (57%) und ³ 20 harten Drusen (81%) vor, wobei bei letztere ein dominanter Erbgang besteht.
Die in einer Bevölkerung zu beobachtenden Phänotypen werden durch genetische sowie durch Umweltfaktoren beeinflußt. Bei einer Studie mit MZ und DZ Zwillingspaaren liegen identische Umweltfaktoren pro Zwillingspaar, jedoch eine unterschiedliche genetische Übereinstimmung der MZ und DZ Zwillinge vor, wodurch eine unterschiedliche paarweise Übereinstimmung zwischen den beiden Gruppen einen Hinweis auf den Einfluß genetischer Faktoren darstellt. Die Studienergebnisse bestätigen, dass bei ARM ein signifikanter genetischer Einfluß gegeben ist. Künftige genetische Studien sollten die Phänotypen von großen (³ 125µm) weichen Drusen und ³ 20 harten Drusen untersuchen, da es sich bei diesen um die am häufigsten vererbten Manifestationen handelt.

