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Langzeit-Visusvergleich von Patienten mit Opikusscheidenmeningiom nach Beobachtung, Operation, Radiotherapie oder Operation in Verbindung mit Radiotherapie

Ausgabe Mai 2002

Exzerpt aus

Turbin RE, Thompson CR, Kennerdell JS, et al.
A Long-term Visual Outcome Comparison in Patients with Optic Nerve Sheath Meningioma Managed with Observation, Surgery, Radiotherapy, or Surgery and Radiotherapy,

Ophthalmology 2002; 109:890-900

zusammengestellt von Doris Meixensberger und Dr. Dieter Klaas

Anhand einer retrospektiven, nicht randomisierten, interventionalen Fallserie an 64 Patienten mit Opikusscheidenmeningiom mit einem gut dokumentierten Follow-up über mindestens 50 Monate wurde ein Vergleich der Behandlungsergebnisse nach Beobachtung, Operation, Radiotherapie oder Operation in Verbindung mit Radiotherapie angestellt. Zur Analyse kamen die Sehschärfe, die radiographische Progression sowie Komplikationen im Rahmen der Behandlung.

Der Nachbeobachtungszeitraum der 64 behandelten Patienten betrug im Mittel 150,2 Monate (zwischen 51 und 516 Monate). Zum Zeitpunkt der Diagnose betrug das Patientenalter im Mittel 47,1 Jahre (17 bis 81 Jahre). Bei 58 Patienten lag eine einseitige Erkrankung vor, bei 6 Patienten waren beide Augen betroffen. Der Visus war in 28,1% ³ 0,5, bei 12,5% 0,4 bis 0,050 und bei 31,3 < 0,050. 13 Patienten von 59 mit einem Sehvermögen besser als keine Lichtwahrnehmung bei Diagnosestellung wurden nur beobachtet, in 12 Fällen erfolgte eine Operation, wobei 4 Biopsien bzw. teilweise Resektionen und acht komplette Resektionen vorgenommen wurden. 18 Fälle wurden bestrahlt, 16 Patienten wurden sowohl operiert als auch bestrahlt, wobei die operative Behandlung aus 14 Biopsien bzw. Teilresektionen und 2 kompletten Resektionen bestand. Die Bestrahlung lag bei 4000 bis 5500 cGy bei konventioneller Multiport- oder konformer externer Strahlentherapie mit einer typischen Verteilung über 6 Wochen. Die Visusmessung bei der Diagnose ergab eine vergleichbare Verteilung innerhalb der 4 Gruppen. Bei der letzten Follow-up-Untersuchung konnte dagegen eine unterschiedliche Visusverteilung in den 4 Gruppen festgestellt werden. Insgesammt konnte bei 38,1% ein Visus von ³ 0,5, bei 15,6% ein Visus von 0,4 bis 0,050 und bei 56,3% ein Visus von <0,050 beobachtet werden. Dabei konnte ein signifikanter Visusabfall in den Gruppen mit Beobachtung, Operation sowie einer kombinierten Behandlung mit Operation und Bestrahlung festgestellt werden, wogegen in der Gruppe mit reiner Bestrahlungstherapie kein signifikanter Visusabfall beobachtet werden konnte. Die Komplikationsrate betrug in der Gruppe mit Bestrahlung 33,3%, in der Gruppe mit operativer Behandlung 66,7%, in der Gruppe mit kombinierter Operation und Bestrahlung 62,5%. Bei 21 Patienten bzw. 32,8% lag eine radiographische Progression vor, wobei 4 Patienten zu der Beobachtungsgruppe, 7 zu der Operationsgruppe und 8 zu der kombinierten Gruppe gehörten. Bei zwei Patienten, die nur bestrahlt wurden, lag bereits vor Behandlungsbeginn eine radiographische Progression vor. In der Bestrahlungsgruppe zeigte sich nur bei zwei Patienten eine radiographische Progression nach Radiotherapie, wobei an beiden Patienten vor Therapiebeginn mindestens eine Operation vorgenommen worden war.

Bei Patienten mit Opikusscheidenmeningiom konnten mit Bestrahlung die besten Ergebnisse erzielt werden. Die Autoren empfehlen bei ausgewählten Fällen erwachsener Patienten mit Opikusscheidenmeningiom, eine Therapie mit fraktionierter externer Bestrahlung (5000-5500 cGy) in Betracht zu ziehen, wenn der Erhalt eines funktionellen Sehens im Bereich der therapeutischen Möglichkeiten liegt. Der potentielle Nutzen muss jedoch dabei gegen die Nebenwirkungen der Therapie abgewogen werden. Nach Aussage der Autoren unterstützen die Studienergebnisse die Langzeit-Wirksamkeit der Radiotherapie als primäre und erhaltende therapeutische Maßnahme.

 

 

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