Dunkelheit und Arbeit im Nahbereich,Myopie und Myopieprogression bei Jurastudenten im dritten Jahr
Ausgabe Mai 2002
Exzerpt aus
Loman J, Quinn GE, Kamoun L, et al.
Darkness and Near Work,
Myopia and Its Progression in Third-year Law Students,
Ophthalmology 2002; 109:1032-1038
zusammengestellt von Doris Meixensberger und Dr. Dieter Klaas
Dunkelheit und Arbeit im Nahbereich, Myopie und Myopieprogression bei Jurastudenten im dritten Jahr
In einer Querschnittsstudie an 177 Jurastudenten der University of Pennsylvania im dritten Studienjahr wurden das Vorkommen und die Progression von Myopie sowie verschiedene potentiellen Risikofaktoren für eine Myopie ausgewertet. Zu diesem Zweck wurde den Studenten eine Fragebogen vorgelegt, in dem das Vorliegen einer Myopie, die Myopieprogression sowie die Risikofaktoren einschließlich Arbeit mit Nahfokussierung, Familiengeschichte und die tägliche Dauer von Hell-/Dunkelperioden abgefragt wurde. Um den Myopiestatus zu sichern, wurden Augenuntersuchungen durchgeführt. Myopie wurde als mittleres sphärisches Äquivalent beider Augen von £ -0,5 Dpt. definiert, die Myopieprogression wurde durch Eigenbeobachtung mit Notwendigkeit einer stärkeren Brille während des Studiums definiert.
Das Alter der Studienteilnehmer betrug im Mittel 27 Jahre, die Studenten waren mit 75,1% überwiegend kaukasischen Typs, es handelte sich um 103 Männer (58,2%) und 74 Frauen (41,8%). Bei 79% war eine Myopie der Eltern gegeben. Die Arbeit im Nahbereich belief sich im Mittel auf 7,4 Stunden pro Tag, die Schlafperioden 7,9 Stunden pro Tag im Mittel, die Dunkelphasen kamen auf ein mittel von 5,3 Stunden pro Tag. Bei 66% der Studenten lag eine Myopie vor. Von 96 Studienteilnehmern mit Myopie vor Studienbeginn kam es bei 83 bzw. 86% zu einer Myopieprogression während des Studiums. Von 75 Studenten ohne Myopie bei Studienbeginn entwickelte sich in 14 Fällen bzw. 19% eine Myopie. Bei 6 Patienten ließ sich der Beginn der Myopie nicht feststellen. Tendentiell war bei Studenten mit einer Myopie der Eltern ein höherer Myopieanteil zu beobachten, und bei Studenten mit längeren täglichen Lernphasen nach eigener Angabe eine größere Tendenz einer Myopieprogression. Desweiteren war der Prozentsatz von Studenten mit Myopieprogression mit 95% in der Gruppe mit Dunkelphasen von weniger als 5,6 Stunden Dunkelphase täglich höher als der von Studenten mit einer täglichen Dunkelphase von mehr als 5,6 Stunden mit 80%. Bei den 77 Studenten mit Myopiebeginn vor Studienbeginn lag die Wahrscheinlichkeit einer Myopieprogression bei Dunkelphasen unter 5,6 Stunden pro Tag bei 97% und über 5,6 Stunden pro Tag bei 76%.
Wenn auch die Risikofaktoren und Gründe für die weltweit steigenden Myopiezahlen nicht hinreichend geklärt sind, so wird doch davon ausgegangen, dass es sich um ein Zusammenspiel von Umwelt- und genetischen Faktoren handelt. Es konnte bereits gezeigt werden, dass höhere Bildung einen klassischen Risikofaktor für Myopie darstellt. Verglichen mit einer Myopierate von 30% - 40% bei jungen Erwachsenen aller Bildungsschichten ergab die Studie mit 66% einen hohen Prozentsatz einer vorliegenden Myopie sowie einer Myopieprogression bei Jurastudenten. Es konnten keine signifikanten geschlechtsspezifischen Unterschiede beobachtet werden. Der größte Zusammenhang konnte insbesondere in den Fällen mit Myopie vor Beginn des College zwischen einer Myopieprogression während des Studiums und einer Reduktion der täglichen Dunkelperioden hergestellt werden. Es handelt sich dabei um einen potentiellen Risikofaktor, der bereits früher im Zusammenhang mit kindlicher Myopie ermittelt wurde. Die Autoren halten es für sinvoll, den Einfluß der Dunkelperioden auf die refraktive Entwicklung des Auges in weiteren Studien zu untersuchen.

