Ophthalmologische Komplikationen bei Kindern mit Slit-Ventrikel-Syndrom
Ausgabe März 2002
Exzerpt aus
Nguyen TN, Polomeno RC, Farmer JP et al.
Ophthalmic Complications of Slit-Ventricle Syndrome in Children,
Ophthalmology 2002; 109:520-525
zusammengestellt von Doris Meixensberger und Dr. Dieter Klaas
Ophthalmologische Komplikationen bei Kindern mit Slit-Ventrikel-Syndrom
An einer Fallserie von sechs Patienten wurden Beobachtungen hinsichtlich der ophthalmologischen Eigenschaften und Visus-Prognosen bei Patienten mit dem Slit-Ventrikel-Syndrom (SVS) angestellt. Alle Fälle waren zwischen 1985 und 1999 im Montreal Children´s Hospital behandelt worden.
SVS stellt eine Sonderform des Krankheitsbildes Hydrozephalus dar, die durch eine vollständige oder teilweise Blockierung des Drainagesystems mit resultierendem Hypertonus, eine Überfunktion des Drainagesystems, die zu einem zerebralen Hypotonus führt, oder durch unzureichenden intrakraniellen Raum für das Wachstum des Gehirns trotz normaler Funktion des Shunts entstehen kann.
Einschlußkriterien für diese Studie waren ein ausreichender Follow-up sowie ein diagnostiziertes SVS basierend auf einer Studie mit intrakraniellen Druckmessungen und neurologischer Bildgebung.
Dokumentiert wurden die allgemeinen ophthalmologischen Daten, der Visus und neurochirurgische Charakteristika. Die Nachbeobachtungszeit lag zwischen 1 und 14 Jahren. Die durchgeführten Shunt-Verfahren lagen im Durchschnitt bei 3,7. Die erste ophthalmologische Untersuchung ergab bei vier Patienten einen normalen Visus, bei drei Patienten Strabismus convergens und bei zwei Patienten Nystagmus. Die zykloplegische Refraktion war in allen Fällen normal. Fundusaufnahmen bei der Anamnese ergaben eine Opticus-Atrophie bei einem 4 Monate alten Kind, ebenso entstand bei zwei weiteren Kindern im weiteren Verlauf der Krankheit eine Optikusatrophie. Bei einem Kind kam es zu gravierenden Gesichtsfeldausfällen. Bei zwei Kindern mit Optikusatrophie konnte in Verbindung mit dem SVS eine gravierende Verschlechterung des Visus beobachtet werden.
Von der Diagnose von SVS bis zum Auftreten ophthalmologischer Komplikationen können mehrere Jahre vergehen. Bei Hydrozephalus-Patienten mit mehreren Shunt-Verfahren sind regelmäßige ophthalmologische Kontrollen anzuraten, da okulare Zeichen erste Hinweise auf das Vorliegen eines SVS darstellen können, da die Symptome von SVS relativ unauffällig sind und die neurologische Bildgebung häufig irreführende negative Befunde erbringt. Die frühzeitige Diagnose von SVS ist von entscheidender Bedeutung, da bei den betroffenen Patienten ein erhöhtes Risiko einer signifikanten Verschlechterung des Visus besteht.

