Das Risiko einer nicht arteriitischen ischämischen Optikusneuropathie bei Chlamydienpneumonie-Seropositivität
Ausgabe April 2002
Das Risiko einer nicht arteriitischen ischämischen Optikusneuropathie bei Chlamydienpneumonie-Seropositivität
von Martin Weger, MD, Anton Haas, MD, Olaf Stanger, MD, Yosuf El-Shabrawi, MD, Werner Temmel, MD, Richard Maier, MD, Andrea Berghold, PhD, Eva-Maria Haller-Schober, PhD
Ziel dieser retrospektiven Fallserie war es zu ermitteln, ob ein Zusammenhang zwischen IgG Antikörpern im Rahmen einer Chlamydienpneumonie und nicht arteriitischer ischämischer Optikusneuropathie (NAION) besteht. Zu diesem Zweck wurden 71 aufeinander folgende Patienten mit NAION und 71 Kontrollen, die den Fällen in Alter und Geschlecht entsprachen, untersucht. Dabei wurden die Chlamydienpeumonie-Serum-Immunglobulin G (IgG)-Antikörper-Titer to Chlamydia Penumonie bestimmt.
Die Patienten mit NAION zeigten signifikant höhere C. pneumoniae-IgG-Antikörper-Titer im Vergleich mit der Kontrollgruppe (IgG-Titer ³ 1:128:29 Patienten versus 15 Kontrollen, P = 0,017). Die Wahrscheinlichkeit für Patienten mit IgG Titer ³ 1:128 lag bei 2,56 (95% Vertrauensbereich, 1,2-5,5). Einstellung einer arteriellen Hypertonie, Diabetes mellitus und Myokardinfarkt lagen bei einer Wahrscheinlichkeit von 3,48 (95% Vertrauensbereich, 1,3-9,6).
Die Aussagekraft der Studie ist aufgrund ihres retrospektiven Charakters limitiert. Zum einen konnte der Antikörper-Status der Blutproben erst nach Auftreten der NAION diagnostiziert werden, so dass die Chlamydieninfektion auch erst nach diesem Zeitpunkt hätte entstehen können. Zum anderen ist der kausale Zusammenhang mit dem höheren Anteil an Patienten mit Seropositivität im Vergleich mit der Kontrollgruppe aus diesem Grund nicht gesichert. Auch spiegelt das Auftreten der NAION bei seronegativen Patienten die breite Pathogenese dieser Krankheit wider. Hinzu kommt, dass in den Patienten keine C. pneumoniae-IgA-Antikörper gefunden werden konnten, die einen wichtigen Marker für eine vorangegangene C. pneumoniae-Infektion darstellen, jedoch im Blutkreislauf nur 3 bis 10 Tage existieren.
Die Ergebnisse der Studie weisen auf einen engen Zusammenhang zwischen einem erhöhten C. pneumoniae-IgG-Antikörper-Titer und NAION hin. Die Autoren empfehlen jedoch die Durchführung einer groß angelegten prospektiven Studie, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen.

