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Interview mit Prof. Hans-Reinhard Koch

Interview mit Prof. Hans-Reinhard Koch


 
Red: Welche Bedeutung haben die Zahlen 10-75-100 für Sie?

Prof. Hans-Reinhard Koch: 1989 trat Prof. Michael Ulrich Dardenne in den Ruhestand, und mein Zeitvertrag endete am 10. Juli dieses Jahres- am 11. Juli wäre ich unkündbar gewesen. So wollten wir beide etwas neues machen und haben in Godesberg das Haus, das schon vorher eine Klinik beherbergte, für unser neues Projekt gekauft. Die Bautätigkeit begann schon 88, am 1. Oktober 89 nahmen wir die ersten Patienten auf und am ersten November wurde die erste Operation durchgeführt. Wir sind damals mutig in kalte Wasser gesprungen. Es bestand zunächst kein Versorgungsauftrag, aber die Krankenkassen wollten uns, das Gesundheitsministerium wollte uns, bloß das Wissenschaftsministerium wollte uns nicht, weil es schon eine andere ophtalmologische Einrichtung am Orte hatte. Zwei Jahre hat das Ministerium geblockt. Die Krankenkassen hatte zwei Millionen Mark Schulden bei uns. In dieser Zeit sind uns die Haare grau geworden. Aber die große Zahl der Patienten bewies, daß ein Bedarf an einer freien Klinik besteht. Die Zahl 75 steht für den 75sten Geburtstag von Prof. Michael Ulrich Dardenne, und die Zahl 100 steht dafür, daß Prof. Münch von der Bonner Augenklinik auf dem Venusberg in diesem Jahr seinen 100sten Geburtstag feiern würde. Er war der Mann, der mich zum Augenarzt gemacht hat. Seit 30 Jahren bin ich in der Ophtalmologie tätig.

Red: Die Geschichte der Klinik Dardenne beginnt schon vor der eigentlichen Gründung. Besonders Prof. Dardenne mußte hart kämpfen...

Prof. Hans-Reinhard Koch: Mit dem Berufsverband hatten wir nie Schwierigkeiten, aber mit der Deutschen Ophtalmologischen Gesellschaft hatte Prof. Dardenne Probleme, als er die Phakoemulsifation propagierte. Irgendwann hat jedoch jeder eingesehen, daß dies eine gute Methode ist. Heute ist sie anerkannt.

Red: Gibt es auch heute ähnliche Vorgänge?

Prof. Hans-Reinhard Koch: Damals hatten wir eine extrem universitär ausgerichtete Augenheilkunde. Heute findet enorm viel Innovation in den freien Klinik und ambulanten Bereich statt. Es kann nicht mehr in solchem Maße Einfluß aus dem universitären Bereich ausgeübt werden. Deswegen kann ich mir in der gegenwärtigen Struktur eine solche Situation nicht mehr vorstellen.

Red: Aus Ihrer Erfahrung mit der Klinik: Gibt es Dinge, die in der Zusammenarbeit zwischen Klinik und Zuweisern besser laufen könnten?

Prof. Hans-Reinhard Koch: Die Zusammenarbeit ist exzellent. Das einzige, was nicht in Ordnung ist, ist die Bezahlung der Zuweiser. Die postoperative Nachbehandlung ist zu schlecht bezahlt. Bei allen berufspolitischen Aktionen darf man nicht vergessen, daß der Einweiser und Nachbetreuer der behandelnde Arzt ist.

Red: Wie wird es nun weitergehen?

Prof. Hans-Reinhard Koch: Die Mitarbeiter werden sich weiterhin Mühe geben, moderne Augenchirurgie in höchster Qualität abzuliefern, und gut mit den Zuweisern zusammenzuarbeiten. Berufspolitisch hoffen wir auf Rahmenbedingungen, die es möglich machen Patienten, ohne Bevormundung an den Segnungen des medizinischen Fortschritt teilhaben zu lassen Wir hoffen auf die Ehrlichkeit der Politiker zu sagen, ob eine Versorgung auf dem höchsten Niveau nach modernen Gesichtspunkten oder eine Versorgung zu einem begrenzten Preis gewünscht wird. Dem Patienten, der glaubt sich den Fortschritt leisten zu können, soll auf jeden Fall dieser Weg offen sein.

Red: Am Rande wurde bekannt, daß die Klinik auch an einen Schwerpunkt " Augenhinterabschnitt" denkt?

Prof. Hans-Reinhard Koch: Das ist richtig: Wir suchen einen guten Mann für den Augenhinterabschnitt und haben Erweiterungspläne. Zudem glauben wir, daß die Entwicklung der Refraktiven Chirurgie, die im Moment in Deutschland etwas zögerlich verläuft, an Rasanz zunehmen wird.

Red: Sie selbst tragen eine Brille…

Prof. Hans-Reinhard Koch: Wenn ich noch jünger wäre, würde ich mich auch lasern lassen. Heute würde ich nur eine Brille gegen eine andere austauschen. Aber meine Frau habe ich schon gelasert, und ich traue mich noch nach Hause.

Red: Nicht nur im medizinischen, auch im verwaltungstechnische Bereich geht Ihre Klinik neue Wege. Wie sieht der "Hotel-ambulante Bereich" aus?

Prof. Hans-Reinhard Koch: Die Hotelstation gibt es so noch nicht, aber wir haben festgestellt, daß viele Patienten aus der Ferne anreisen und in der Stadt übernachten. Bei ihnen ist es nicht notwendig, sie in ein Klinikbett zu legen. Auch die Angehörigen suchen Unterbringungsmöglichkeiten - bislang in der Stadt. Nun haben wir ein Hotel gekauft, in dem beide Gruppen übernachten können. Dieses Hotel hat eine gute österreichische Küche. Die dient nun auch als Krankenhausküche.

Red: Vielen Dank für das Gespräch.

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