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Sehen, Informieren, Ausprobieren

Sehen, Informieren, Ausprobieren

Industrieaussteller zeigten in Orlando überwiegend nützliche Ideen/ Sensationen ließen auf sich warten

überarbeitete Fassung

Kein internationaler Ärzte-Kongress ohne Industrieausstellung: Rund 470 Firmen und Anbieter präsentierten während der AAO-Jahrestagung '99 und des 22. PAAO-Kongresses in den Messehallen des "Orange County Convention Center" von Orlando alles, was das Ophthalmologen-Herz begehrt - von der Augenklappe bis zum Praxismobiliar. "WWW.AUGEN.DE" hat sich nach neuem und berichtenswertem umgeschaut.
Um das Ergebnis gleich vorweg zu nehmen: Große Messe-Sensationen gab es nicht. Dafür aber war die Zahl der "kleinen" Weiterentwicklungen, Verbesserungen und Ideen beachtlich hoch.

Klein und saugstark

Mit winzigen extrem saugfähigen Schwämmen aus faserfreiem PVA-Kunststoff wartete "X-TECH MEDICAL" auf. Die Minischwämme werden auf die Spitzen von Absaugkanülen gesteckt und helfen so - bei refraktiven Eingriffen etwa -, das Operationsgebiet besonders schonend zu reinigen und Flüssigkeiten abzuleiten. Eine ähnlich nützliche Erfindung hatte "BD Visitek" mitgebracht: Ein Spezialschwamm soll bei LASIK-Operationen künftig überschüssige Feuchtigkeit vom Flap aufsaugen und den Hornhautlappen zugleich schützen.

"Spritze" für Intraokular-Linsen

Wesentlich einfacher ist es ab sofort, faltbare AcrySofÒ-Intraokular-Linsen (IOL) zu implantieren. Für diesen Linsentyp ist nämlich ein neuartiges, etwa Kugelschreiber großes Gerät von Alcon besonders gut geeignet. Wie Flüssigkeit mit einer Spritze, so wird die Linse mit dem "Monarch™ IOL DELIVERY SYSTEM" in die vordere Augenkammer "injiziert". Geladen wird der Injektor mit einer Patrone, in der die ungefaltet eingelegte Linse steckt.

Keratomie mit einer Hand

Eine handliche Weiterentwicklung konnten die Cornea-Operateure unter den Kongress-Teilnehmern am Stand von "NIDEK" testen. Allein mit einem Fuß und einer Hand lässt sich das "Nidek MK-2000 Keratome System" bedienen. Trotzdem erlauben seine hohe Oszillationsfrequenz von 9000 rpm und die konstante Messergeschwindigkeit von zwei Millimetern pro Sekunde eine hochpräzise Präparation des Flaps. Austauschbare Ansaugringe und Messerhalter machen das System für viele Aufgaben in der refraktiven Chirurgie geeignet.

Phacoemulsifications-Einheit mit mehr Speicherplatz

Bewährtes weiter verbessert haben auch die Entwickler von "Surgical Design". So verfügt die Phacoemulsifications-Einheit "Ocusystem® ART Advantage" nach wie vor über die gleichen, teilweise NASA-erprobten Bauelemente ihrer Vorgängergeräte. Ein erheblich erweitertes Memory-Modul ermöglicht dem Arzt nun jedoch bis zu 3200 unterschiedliche Operations-Routinen fest zu speichern. Ein Fortschritt, auf den vor allem Gemeinschaftspraxen gewartet haben. Und ganz gleich, ob der Augenchirurg lieber mit der Peristaltikpumpe arbeitet, eher die Effekte der Venturi-Düse schätzt oder nach Bedarf entscheidet: Das "Ocusystem® ART Advantage" lässt dem Benutzer zwischen beiden Formen der Vakuum-Erzeugung die Wahl.
Machen Glaskörperkomplikationen während einer Katarakt-OP eine Vitrektomie notwendig, können die neuen, an das "Ocusystem® ART Advantage" anschließbaren Einmal-Cutter von "Surgical Design" eine zuverlässige Hilfe sein. Mit den immer scharfen Zusatzteilen und einer Cut-Frequenz bis zu maximal 600 Hertz haben auch weniger geübte Operateure die Situation im Allgemeinen gut im Griff. Der Einmalgebrauch verringert außerdem die Infektionsgefahr. Den routinemäßigen Einsatz der Cutter verbietet eigentlich nur der Preis: 125 US$ pro Stück, umgerechnet etwa 220 DM.

"Schwereloses" Mikroskop

In der häufig kniffligen Augenchirurgie hat die leichte Bedienbarkeit aller Instrumente höchsten Wert. Scheinbar schwerelos gleitet das Operationsmikroskop von "Zeiss" in die gewünschte neue Position. Magnetbremsen im Deckenstativ ermöglichen die mühelose Veränderung des Blicks aufs Operationsgebiet. Der für den Assistenzarzt vorgesehene Seiteneinblick des Mikroskops ist so konstruiert, dass beide Operateure haargenau dasselbe Bild vor Augen haben. Störende Lichtreflexe sind dabei kein Problem: Das Umlegen eines Hebels reicht, um das Arbeitsfeld aus anderer Richtung zu beleuchten.

Schonende Achsenlängenmessung

Jedem augenärztlichen Eingriff geht eine gründliche Diagnostik voran, die immer schneller, genauer und aussagekräftiger, für den Patienten dagegen immer weniger belastend wird.
Keine Augentropfen, keine Anästhesie und schnelle, sehr präzise Ergebnisse bei gleichzeitiger Keratomerie: Das sind die Pluspunkte, die "Zeiss" für sein neues Gerät zur Achsenlängenmessung verspricht. Gemessen wird die Strecke bis zum Retinalen Pigmentepithel mit einem infraroten Laserstrahl.

Topographiesystem analysiert "Hügelstruktur" der Cornea

Ein Cornea-Topographiesystem, dass alle natürlichen, kontrastmindernden Unebenheiten der Hornhaut mit in das Untersuchungsergebnis einbezieht, stellte "BAUSCH & LOMB") den nach Florida gereisten Ophthalmologen vor. Das "Orbscan II" liefert Daten sowohl über die Krümmung der äußeren und inneren Hornhautoberfläche, als auch Informationen über die "Hügelstruktur" der Außenoberfläche. Außerdem ermittelt das System noch eine Reihe weiterer Zahlen, wie die Corneadicke oder Augenkammertiefe. Zusammen mit einer speziellen Software erlaubt das "Orbscan II" somit eine sehr exakte Planung refraktiver Operation und Prognosen über die Ergebnisse verschiedener Behandlungswege.

Nerve Fiber Analyzer für jede Augenarztpraxis

In der Glaukomforschung hat der "GDx® Nerve Fiber Analyzer" von "Laser Diagnostic Technologies" längst neue Maßstäbe gesetzt. Offensichtlich sehr viel zuverlässiger als herkömmliche Verfahren hilft das mit einem Infrarot-Laser arbeitende Gerät beim Erkennen des Grünen Stars und in der Therapiekontrolle. Weitere Krankheiten, wie Migräne oder Multiple Sklerose, bei denen die GDx®-Technologie einen wesentlichen diagnostischen Beitrag leisten kann, zeichnen sich inzwischen ab.
Damit eine möglichst große Zahl Patienten von der relativ teuren Technik profitieren kann, hat "Laser Diagnostic Technologies" ein vereinfachtes System, das "GDx® AccessTM", entwickelt. Dieses unterscheidet sich vom Ursprungsgerät im wesentlichen durch die reduzierten Möglichkeiten des Datentransfers, der außerhalb des Forschungslabors keine allzu große Rolle spielt. Um den Ärzten die Entscheidung für das neue System zu erleichtern, hat man sich bei "Laser Diagnostic Technologies" eine besondere Vertriebsstrategie überlegt: Das Gerät wird dem Augenarzt nur leihweise in die Praxis gestellt. Bezahlt werden lediglich die Untersuchungen, und zwar mit Hilfe einer Smart-Card.

Photodynamische Therapie am Start

Für die große Messe-Attraktion war es in Orlando noch zu früh, obwohl Ophthalmologen in aller Welt, besonders aber in Europa und Amerika, schon in den Startlöchern saßen, um mit einer neuen Laser gestützten Behandlungstechnik bei Altersabhängiger Makula-Degeneration (AMD) zu beginnen. Die für die "Photodynamische Therapie" benötigten Geräte wurden von "Zeiss" und "COHERENT" in den vergangenen Jahren parallel entwickelt und stehen zur sofortigen Auslieferung bereit. Noch vor den Amerikanern gab die "Interkantonale Kontrollstelle für Heilmittel" in der Schweiz dem Wirkstoff Verteporfin von "CIBA Vision" Mitte Dezember 1999 für eine nationale Markteinführung erstmals grünes Licht. Experten gehen davon aus, dass das "Ja" der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) bis spätesten Anfang Februar 2000 folgt und Verteporfin unter dem Namen "VisudyneTM;" auch in den USA unverzüglich in den Handel kommt. "Die Zulassung in irgendeinem Land der Welt, wird eine Kaskade von Freigaben in anderen Staaten und einen entsprechenden Gerätebedarf nach sich ziehen", wagte Hansjörg Demand, Verkaufsleiter für Ophthalmologie-Laser bei COHERENT, den Blick in die Zukunft.
Die Photodynamische Therapie beruht darauf, dass der Wirkstoff in einer biologisch inaktiven Form in den neugebildeten Gefäßen der erkrankten Netzhautzonen akkumuliert und erst durch die Laserenergie in eine cytotoxische Substanz verwandelt wird. Der betroffene Gewebereich wird zerstört und der Krankheitsprozess gestoppt. 

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