Sie befinden sich hier:>Infos für Ärzte>ARCHIV - Kurzfassungen und Berichte>Kongressberichte>AAO New Orleans>Kurzberichte

Kurzberichte

Kurzberichte 

Material und Design intraokularer Linsen (IOL) können in unterschiedlich starkem Maß für die Entwicklung eines Kapselstars mitverantwortlich sein. Dies ergab eine Studie von Forschern des "Center for research on Ocular Therapeutics and Biodevices" am Storm Eye Institut in Charleston (South Carolina).
Ein Team um Dr. Liliana Werner untersuchte insgesamt rund 350 Augen Verstorbener und bewertete die Kapseltrübung anhand histologischer Schnitte. Alle Patienten hatten zu Lebzeiten ein Linsenimplantat erhalten. Verglichen wurden einteilige PMMA-Linsen, einteilige Silikon-Linsen mit großem Durchmesser, einteilige Silikon-Linsen mit kleinem Durchmesser, dreiteilige Acryl-Linsen mit PMMA-Haptik sowie dreiteilige Silikon-Linsen mit Prolen-Haptik. Die Wissenschaftler wiesen nach, dass abhängig vom Linsentyp Kapseltrübungen in unterschiedlicher Häufigkeit und Stärke auftreten können. "Es ist das erste Mal, das die derzeit gängigsten IOLs, unter diesem Aspekt, in einer vergleichenden Studie betrachtet wurden", erklärte Dr Werner in Orlando.

Nicht nur bei Herzen, Nieren oder Lebern, auch bei Hornhäuten überschreitet der Bedarf an Spenderorganen das Angebot bei weitem. Limitierender Faktor für die Verwendbarkeit eines Organs ist oft genug das Alter des potenziellen Spenders.
Dr. Carsten Mayer vom "Duke University Eye Center Retina Service" fand nun heraus, dass die Cornea hier offensichtlich eine Ausnahme bildet. Der Augenexperte konnte zeigen, dass Hornhäute von Spendern, die zum Zeitpunkt der Organentnahme bereits ein Durchschnittsalter von 97 Jahren hatten, mehr als 15 Jahre nach der Transplantation immer noch eine ausreichende Endothelzelldichte und Gewebedicke besaßen. Damit hatten die Spendergewebe ein biologisches Alter von mehr als 100 Jahren erreicht. Sollten sich Mayers Ergebnisse bestätigen und das Alter des Cornea-Spenders für den Transplantationserfolg keine große Rolle spielen, könnte sich die Wartezeit bis zur Keratoplastik für viele Patienten erheblich verkürzen.

Vor einiger Zeit schon sorgte Homocystein als neu entdeckter Risikofaktor für Herzinfarkte und Schlaganfälle für Furore. Auch an der Entstehung retinaler Gefäßdefekte ist die Aminosäure möglicherweise beteiligt. US-amerikanische Forscher um Dr. Bruce A. Brown untersuchten eine Patientengruppe mit akuten retinalen Gefäßverschlüssen und bestimmten die Serum-Spiegel von Homocystein, Vitamin B12, Folsäure, Cholesterin und der Triglyceride. Je eine Gruppe von Diabetikern und Nicht-Diabetikern, alle mit intakter Netzhaut, dienten als Kontrolle.
Von zehn untersuchten Patienten mit gefäßbedingten Retinadefekten wiesen acht erhöhte Homocystein-Konzentrationen auf. In den Kontrollgruppen fanden sich in keinem Fall Werte oberhalb der Norm. "Zu hohe Homocystein-Spiegel lassen sich auf relative einfache Weise senken. Oft reicht es aus, Vitamine zu geben", sagt Dr. Brown. Eine Folgestudie soll nun klären, ob sich durch eine entsprechende Behandlung das Risiko für retinale Gefäßkrankheiten reduzieren lässt.

Eine eindringliche Warnung vor einem neuen Sterilisationsverfahren mit ionisierten Gasteilchen (Plasma) sprach Dr. Carol A. Smith (St. Louis) auf der AAO-Jahrestagung '99 in Orlando aus. Es besteht der starke Verdacht, dass es einen engen Zusammenhang zwischen dem Absterben cornealer Endothelzellen und der Sterilisationstechnik gibt. In einer retrospektiven klinischen Studie fanden Dr. Smith und seine Mitarbeiter nach chirurgischen Routineeingriffen mit plasmasterilisierten Instrumenten zehn Fälle, in denen es in der Folge zu cornealen Endothelschäden kam. Weitere Untersuchungen müssen nun klären, ob die Sterilisation die einzige Ursache des Zellsterbens ist.
"Selbst bei sehr kleinen Operationen ist ein Risiko nicht auszuschließen, da die cornealen Endothelzellen äußerst empfindlich auf Giftstoffe reagieren", betont Dr. Smith. "Unsere Studie beweist einmal mehr, dass jedes neue Instrument für intraokulare Operationen und jedes veränderte Sterilisationsprotokoll nur mit großer Vorsicht anzuwenden sind."

Wenn ein Cornea-Transplantat versagt, kann eine Infektion der Spenderhornhaut mit dem Herpes simplex Virus (HSV) die Ursache sein. Diese Hypothese vertreten Dr. Glenn Cockerham und seine Kollegen von der Andrews Air Force Base in Maryland (USA). Die Mediziner untersuchten Gewebeproben aus 21 Hornhäuten, die nach der Transplantation ihre Funktionstüchtigkeit verloren hatten, mit Hilfe der Polymerasekettenreaktion (PCR). Sieben Proben waren HSV-1-positiv. Bei zehn intakten Hornhäuten konnte das Virus dagegen in keiner nachgewiesen werden.
Die Studie könnte einige der Misserfolge bei Keratoplastiken erklären, die trotz äußerst penibler Untersuchungen des Spendergewebes zum Beispiel hinsichtlich der Endothelzelldichte immer wieder zu verzeichnen sind.

Farb-Doppler-Sonographie kann ein wertvolles Hilfsmittel sein, wenn es bei Orbita-Tumoren darum geht, die Entscheidung zwischen chirurgischem oder konservativem Behandlungsweg zu treffen. Dr. Michael J. Tolentino und seine Kollegen haben 20 Tumor-Patienten in einer retrospektiven Studie untersucht. Bei allen Patienten hatte man die Farb-Doppler-Sonographie als zusätzliches diagnostisches Verfahren eingesetzt. Diese ermöglicht es, die Blutfluss-Verhältnisse in den Neubildungen zu analysieren. Acht stärker durchblutete Tumore wurden operativ entfernt.
"Wir gehen davon aus, dass gutartige Tumore meist nur sehr gering und nicht nachweisbar durchblutet sind", erklärt Dr. Tolentino, der seit kurzem am Scheie Eye Institut der Universität von Pennsylvania arbeitet. "In Krebstumoren ist der Blutfluss in aller Regel mittelstark bis stark. Wenn wir anhand dieses Merkmals bösartige von gutartigen Erkrankungen unterscheiden können, so bliebe manchem Patienten die Operation erspart."

Vitreoretinale Erkrankungen und refraktive Operationen betreffen häufig dieselbe Patientengruppe. Über mögliche Zusammenhänge zwischen refraktiven Eingriffen und vitreoretinalen Defekten wird deshalb schon länger diskutiert. Dr. Giacoro Panozzo und seine Mitarbeiter haben sich in mehreren Einzelfall-Studien mit dieser Frage befasst.
Bei vier der beschriebenen Patienten traten kurz nach der Implantation von intraokularen Kontaktlinsen größere Netzhautrisse auf. Daraus jedoch auf die Operation als Ursache zu schließen, wäre gewagt. Dr. Panozzo selbst schränkt ein: "Es ist schwierig die Chirurgie für die Komplikationen verantwortlich zu machen. Myopie-Patienten besitzen für die beobachteten Schäden von vorn herein ein erhöhtes Risiko."

Wenn ein Verfahren in der refraktiven Chirurgie nicht reicht, um einem Patienten wirkungsvoll genug zu helfen, dann nimmt man eben zwei. Zumindest zwei spanische Ärzte-Teams haben die Erfahrung gemacht, dass sich durch Kombination verschiedener Methoden ein deutlich besseres Sehvermögen bei den Operierten erreichen lässt. Die beiden Gruppen aus Barcelona - eine um Dr. Jose L. Guell, die andere geleitet von Dr. Andres Coret Moreno - teilten anlässlich der AAO-Jahrestagung '99 in Orlando mit, dass die Implantation phaker intraokularer Linsen (IOL) zusammen mit einer LASIK-Behandlung bei schweren Myopien die BCVA um eine bis drei Linien verbessern kann.
Dr. Guell und seine Mitarbeiter verwendeten die "Artisan iris-claw IOL" bei 26 Augen, während Dr. Corets Gruppe die "Staar AG Vorderkammerlinse mit konventioneller Haptik" in 80 Fällen implantierte. Der Linsen-Operation folgte im Abstand von drei oder mehr Monaten eine LASIK-Behandlung.
In beiden Studien gewann die BCVA bei 70 Prozent der Patienten mindestens eine Linie hinzu. Insgesamt waren die zweimal operierten Patienten mit dem Therapieerfolg zufriedener als stark Kurzsichtige, die nur mit einem der beiden Verfahren behandelt worden waren. "Der Hauptvorteil ist aber nicht die verbesserte Refraktion, sondern die Größe der optischen Zone", erklärt Dr. Guell. Leidet ein Patient unter einer Kurzsichtigkeit von mehr als -15 Dioptrien, so ist die Zone scharfen Sehens nach LASIK-Operation meist auf einen 3,5 bis 4 Millimeter großen Netzhautbezirk beschränkt. "Damit haben die Betroffenen immer noch erhebliche Probleme", weiß Dr. Guell. "Durch die Kombination der Operationstechniken können wir die optische Zone auf 6 Millimeter erweitern", verspricht der Augenchirurg. Weder mit LASIK noch mit einer IOL-Implantation allein komme man an dieses Ergebnis heran: "Phake Kunstlinsen für extrem kurzsichtige Patienten sind meist so dick, dass die Hersteller die Weite der optischen Zone eng begrenzen müssen. Nur zusammen können LASIK und Linsenimplantat die eingeschränkten Möglichkeiten der Einzelmethoden überwinden."

Wird vor Star-Operationen zu viel allgemeine Diagnostik betrieben? "Schätzungsweise 150 Millionen Dollar werden jährlich für Untersuchungen vor Katarakt-Operationen ausgegeben", nannte Prof. Dr. Schein während der AAO-Jahrestagung '99 eine für die USA gültige Zahl. Meist besteht Standardprogramm aus EKGs, Elektrolytmessungen und etlichen anderen Routinetests. Der Wert dieser Untersuchungen sei für die Katarakt-Chirurgie meist gering, meint Dr. Schein, der an der John Hopkins Universität in Baltimore tätig ist.
Rund 19.500 Patienten hat der Ophthalmologie-Experte zusammen mit Kollegen an neun klinischen Zentren in den USA und Kanada innerhalb von vier Jahren beobachtet. Nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurde ein Teil der Patienten vor der Star-Operation umfassend untersucht, der andere nicht. Nach jedem Eingriff führten die Wissenschaftler eine Woche lang über den Gesundheitszustand der Operierten Protokoll. Das Ergebnis: Weder bei den behandlungsbedürftigen Beschwerden, noch bei stationären Klinikaufenthalten oder gar Todesfällen gab es zwischen beiden Patientengruppen einen signifikanten Unterschied.
Daher fordert Prof. Schein, bei der Diagnostik vor Katarakt-Operationen in Zukunft genauer zu differenzieren und zunächst die Krankenakte des Patienten zu betrachten. So bleibt ein EKG zum Beispiel auch weiterhin empfohlen, wenn Anhaltspunkte für eine Angina pectoris vorhanden sind. "Oft folgen die Voruntersuchungen der augenärztlichen Behandlungszentren mehr der Tradition als neueren medizinischen Erkenntnissen", kritisiert Scheins Kollege, Dr. Samuel Masket. "Unsere Studie beweist, dass eine kleine Auswahl im Einzelfall sinnvoller und aussagekräftiger Untersuchungen die beste Vorgehensweise ist."

Schichtweise Keratoplastik kann bei Patienten mit Endothel-Schäden eine Alternative zum vollständigen Hornhautersatz sein. Der italienische Ophthalmologe Dr. Massimo Busin und seine Mitarbeiter haben das Verfahren im Rahmen einer kleinen Studie an sechs Augen mit aphaker oder pseudophaker bullöser Keratopathie getestet. Die Augenchirurgen ersetzten jeweils ein etwa sieben Millimeter im Durchmesser großes Stück des tiefen Stromas samt Endothel durch Spendergewebe. Der vorderen Stromaschichten der Empfänger blieben bei der Operation erhalten. Vier Wochen nach dem Eingriff wiesen alle Augen einen bemerkenswert geringen Astigmatismus von weniger als vier Dioptrien auf.
Auch eine holländische Arbeitsgruppe um Dr. Gerrit R. J. Melles vom "Rotterdam Eye Hospital" berichtete in Orlando über ähnliche Versuche. Mit einer relativ komplizierten Technik sollte auch hier das kranke Empfängerendothel erneuert werden, der gesunde vordere Cornea-Abschnitt jedoch erhalten bleiben. Das umgekehrte Verfahren - Transplantation anteriorer Hornhautschichten unter Schonung des Endothels - ist ebenfalls möglich. Vermutlich lässt sich damit sogar die Abstoßung des Transplantats unterdrücken. Dr. Melles sprach von einem nur geringem Astigmatismus und BCVA-Werten zwischen 20/25 und 20/100 ein Jahr nach der Transplantation.
Generell dürfte für alle Verfahren zur schichtweisen Cornea-Transplantion gelten, dass diese technisch schwierig sind und im Ergebnis meist zu einem weniger guten Sehvermögen führen. Der Vorteil ist die erwartete längere Lebensdauer des Transplantats, wovon vor allem Patienten mit einem Defekt des vorderen Cornea-Abschnitts profitieren. Eine spätere vollständige Keratoplastik sei nach einer Teiltransplantion weiterhin möglich, versicherten Dr. Busin und Dr. Melles.

Latanoprost zählt nach Meinung vieler Augenärzte zu den derzeit wirksamsten Glaukom-Medikamenten. Möglicherweise aber bekommt der Prostazyklin-Wirkstoff bald Konkurrenz. Ein Lipid mit dem Code-Namen AGN-192024 senkt in vergleichbarer Dosierung den intraokularen Druck (IOP) in mindestens genau so starkem Maß wie Latanoprost, verspricht bei ebenso guter Verträglichkeit jedoch eine nachhaltigere Wirkung. Über 100 Patienten mit erhöhtem Augendruck nahmen an einer 30-tägigen randomisierten Studie teil, berichtete Dr. Monte S. Dirks. AGN-192024 reduzierte den IOP im Schnitt um 6 bis 9 mm Hg, in der Latanoprost-Gruppe sanken die Werte um durchschnittlich 4 bis 8 mm Hg.

Sport und Bewegung halten Muskeln und Gelenke fit, beugen Gefäßkrankheiten vor, stabilisieren die Psyche und haben offenbar auch auf die Augen einen positiven Effekt. Israelische Ärzte fanden heraus, dass körperliches Training das Fortschreiten Glaukom bedingter Augenschäden bremst. 92 Glaukom-Patienten trieben unter medizinischer Aufsicht regelmäßig Sport. Ihr Energieumsatz wurde verschiedenen Parametern wie Medikamentendosis, Netzhautzustand oder Gesichtsfeldgröße gegenübergestellt, an denen sich der Krankheitsprozess besonders gut verfolgen lässt. Wie das Ärzte-Team anlässlich der AAO-Jahrestagung '99 mitteilte, fielen alle Untersuchungen um so günstiger aus, je intensiver die Patienten trainierten.

Infos für Ärzte