"Im 3. Jahrtausend wird implantiert"
"Im 3. Jahrtausend wird implantiert"
Symposium über intraokulare Linsen in der refraktiven Chirurgie: Für die meisten Experten überwiegt der Vorteil.
Die refraktive Chirurgie der Hornhaut, speziell die LASIK-Technik (Laser in situ Keratomileusis), ist zur Zeit der meist begangene Weg, um Fehlsichtigkeiten operativ zu beheben. Beinahe jeder Augenchirurg beherrscht inzwischen das Verfahren, bei dem ein Teil der Cornea mit dem Laser praktisch weggeschnitten wird. Doch Konkurrenz wächst heran: Auch in der refraktiven Chirurgie gewinnen Implantate an Bedeutung. Für die Organisatoren der AA0-Jahrestagung '99 Grund genug, zusammen mit der International Society of Refractive Surgery (ICRS) die Frage zu stellen "Resculpt or Implant? What is best for our Patients?" Namhafte Referenten verglichen die Vor- und Nachteile der oft noch sehr neuen Implantat-Verfahren mit denen der Laserchirurgie. Im Rahmen eines Symposiums berichteten sie in Orlando über ihre Erfahrungen mit unterschiedlichen Linsenersatz-Systemen. Nach Ansicht fast aller Redner werden viele der neu entwickelten Methoden im 21. Jahrhundert zu den wichtigsten Methoden der refraktiven Chirurgie gehören.
Auch der Franzose Dr. Georges D. Baikoff zeigte sich überzeugt: "Im 3. Jahrtausend wird implantiert", prophezeite er seinen Zuhörern am Ende der von ihm gehaltenen Jose-Barraquer-Vorlesung. Als "einfach durchzuführen, kostengünstig und bei unbefriedigenden Ergebnissen wiederholbar" hatte Dr. Baikoff die Vorteile der phako-refraktiven Chirurgie zuvor gelobt. Fast alle refraktionsbedingten Formen der Fehlsichtigkeit - Myopie, Hyperopie, Presbyopie - lassen sich seiner Meinung nach schon jetzt durch intraokulare Linsenimplantate (IOL) mit hervorragenden Ergebnissen korrigieren.
Als Anwender von LASIK und anderen Methoden kennt Dr. Baikoff die Möglichkeiten der refraktiven Hornhaut-Chirurgie genau: "Da die Cornea ein Gewebe ist, das lebt und sich verändert, führen die Eingriffe nicht immer zum gewünschten dauerhaften Erfolg." Besonders bei schweren Refraktionsfehlern stoße die Ablation von Hornhautgewebe schnell an ihre Grenzen.
Seit rund zehn Jahren würden deshalb in der refraktiven Chirurgie auch phake IOLs eingesetzt - vor allem zur Korrektur starker Myopien, berichtete der Referent. Die Tendenz sei steigend, die Aufgeschlossenheit unter den Ärzten groß: Fast 70 Prozent der ICRS-Mitglieder hätten sich 1999 für einen Kurs in phako-refraktiver Chirurgie interessiert.
Zahlreiche Neu- und Weiterentwicklungen - zum Beispiel faltbare und/ oder multifokale Linsen, verbesserte Haptiken, verträglichere Materialien - haben das Anwendungsspektrum der IOLs kontinuierlich erweitert, die Operationen leichter und sicherer gemacht und die Komplikationsrate deutlich gesenkt. Vielversprechende Ideen, die beispielsweise die Akkommodationsfähigkeit der Kunstlinsen betreffen, stecken darüber hinaus noch in der Pipeline. Zu den wichtigsten Errungenschaften neuerer Zeit zählt für Dr. Baikoff die NuVita-Linse, die in die vordere Augenkammer implantiert und im Kammerwinkel verankert wird. Die Linse nutzt den "Raumvorteil" der anterioren Kammer aus. "Der Platz für einen Fremdkörper ist hier wesentlich größer als in der hinteren Kammer", erklärt Dr. Baikoff, Mitentwickler des neuen Linsentyps. Schäden am Cornea-Endothel seien durch die flache Form der NuVita-IOL so gut wie ausgeschlossen.
Wer allerdings befürchtet, dass Lasergeräte und anderes Equipment für die refraktive Hornhaut-Chirurgie bald nur noch für den Medizin-Historiker von Interesse sind, wurde vom Vortragenden beruhigt. Mit einer Studie an einem kleinen Patientenkollektiv mit pseudophaker Ametropie hat Dr. Baikoff sogar selbst bewiesen, dass LASIK und Implantation zu gleichwertigen Ergebnissen führen können. Gute Chancen sieht der Referent auch für das Gebiet der Bioptics, auf dem sich die "herkömmliche" refraktive Chirurgie und Implantat-Technik ergänzen. Der große Nutzen intraokularer Linsen für den refraktiven Chirurgen liegt vor allem auf Indikationsgebieten, wie pseudophaker Presbyopie oder Altersabhängiger Makuladegeneration (AMD), wo Eingriffe an der Hornhaut bislang kaum Verbesserungen brachten. AMD-Patienten zum Beispiel könnte mit prismatischen Linsen geholfen werden, die das Licht auf die intakten Bereiche der Netzhaut lenken. "Die phako-refraktive Chirurgie hat eine große Zukunft", bekräftigt Dr. Baikoff.

