"Von Europa lernen", Interview mit Robert H. Osher
"Wir müssen von Europa lernen", Interview mit Robert H. Osher
30.10.2000
Robert H. Osher gehört zu den großen Katarakt-Spezialisten. Beim diesjährigen AAO-Meeting hielt er die Blinkhurst Lecture mit dem Titel "Surgical Triumph over a Variety of Challenging Cataracts". Augen.de sprach mit Osher über seine Sicht der Entwicklung der Katarakt-Chirurgie.
Augen.de: Was war Ihr wichtigstes Werk?
Robert H. Osher: Ohne jede Frage: Ich habe fünf wundervolle Kinder. Bezüglich Ophthalmologie brachte ich eine hervorragende Gruppe aus Subspezialisten zusammen, die eine vergleichbar gute Ausbildung besitzen und Auffassung besitzen, die eine gute Kameradschaft mit Respekt unter dem Dach des Cinncinnati Eye Institute schätzen. Ich bin sehr stolz auf meine Partner und die ganze Organisation. Im akademischen Sinne war die Gründung des Video Journals vor zwanzig Jahren, das in mehr als 100 Länder verteilt wird, die wichtigste Sache.
Augen.de: Haben Sie andere Kurse hier besucht?
Robert H. Osher: Ich habe fünf Kurse mitgestaltet. Wenn Sie mich fragen: "Was war neu und aufregend?", dann muss ich antworten: In den USA haben wir Schwierigkeiten, weil die FDA uns nicht erlaubt, an der Spitze des Fortschritts zu bleiben. Somit müssen wir klinisch von unseren Kollegen in Europa und Südamerika lernen. Spannend und aufregend sind die "artificial iris devices", an denen ich arbeite und die nicht FDA-geprüft sind. Wir präsentierten hier die Resultat von 25 bis 30 Fällen. Die Implantate sind geeignet für Patienten, deren Iris geschädigt sind und deren Augen somit keinen oder einen unzureichenden Schutz vor Lichteinfall besitzen. Indikationen sind zum Beispiel Albinismus, Irisverletzungen, Irisdegenerationen, Hepatitis-Schäden oder die Irisatrophie. Die Implantate stellen eine vollständig runde Iris wieder her. Mit der "sector iris" oder der Iris mit einer Optik wurde eine exzellenter Visus erreicht. U.a. arbeite ich noch mit Healon V, bei dem ich beratend tätig bin. Dies ist noch nicht in den USA zugelassen, aber dieses Viskoelastikum wartet gespannt darauf, geprüft zu werden. Es reagiert wie ein adhesives Viskoelastikum. Es ist wundervoll zum Beispiel für den Schutz der Kornea oder die "slow motion phaco" geeignet.
Augen.de: Haben Sie Erfahrungen mit Katarakt-Patienten nach einem refraktiv-chirurgischen Eingriff?
Robert H. Osher: Persönlich noch nicht, aber wir sehen nun, da so viele LASIK-Operationen durchgeführt werden, dass wir die aggregierten Implant-Kalkulation bestimmen müssen, um für diese Patienten die besten Transplante auswählen zu können.
Augen.de: Was ist für Sie die Zukunft?
Robert H. Osher: Der zukünftige Fortschritt ist für mich die Suche nach Implantationslösungen für hochrefraktive Fehler: Die phaken Linsen oder die "clear lense ectomy" für stark hyperope Linsen, die ich 1986 begann und die die Nebenwirkungen nicht hat, die der "myopic lense ectomy" anhängen. Diese wende ich nicht an. Auch die Behandlung der Presbyopie oder die linsen-assoziierten Lösungen bei der Makuladegeneration sind spannende Gebiete, auf denen ich gerade arbeite und die ich durchführen möchte, bevor ich selbst an Presbyopie leide.
Augen.de: Vielen Dank für das Gespräch.

