Phako in Zeitlupe
Phako in Zeitlupe
21.11.2000
Wie der Vater, so der Sohn: Vor rund 20 Jahren trat Robert H. Osher in die Fußstapfen seines Vaters Morris S.. Heute zählt er zu den renommiertesten Glaukom-Spezialisten, zu den Mitentwicklern von Healon 5 und als Herausgeber des "Video Journal of Cataract and Refractive Surgery" zu den bunten Hunden im Geschäft. "Ich brauche täglich nur vier Stunden Schlaf", bekannte Osher, als er einmal gefragt wurde, wie er alle seine Aktivitäten unter einen Hut bekomme. Robert H. Osher ließ es sich nicht nehmen, seine Blinkhurst Lecture beim diesjährigen Kongress der AAO mit Videointerviews zu bebildern: Egal ob, Howard I. Fine auf dem Motorrad oder Steve Arshinoff in der Badewanne - alle "Opfer" von Osher. "Die frühen Tage waren wirklich chaotisch" erinnert sich Blinkhorst selbst in einem Videointerview. Das Thema des Vortrages: "Surgical Triumph Over a Variety of Challenging Cataracts" (i.e.: Chirurgischer Sieg über eine Vielzahl herausfordernder Katarakte).
Beispiel: Die extrakapsuläre Kataraktextraktion beim vorderen polaren Katarakt. "Ich persönlich bevorzuge, die Kapsulorhexis bei einem niedrigen Kammerdruck", meint Osher. Dabei wird der Druck der Infusion ebenfalls niedrig gehalten, bei limitierter Hydrodissektion. Der Operateur muss vertraut sein mit der trocken kortikalen Aspiration, trockenen Vitrektomie, der Visko-Tamponade und der Vorderkammerkapsulorhexis. Osher gilt als Mann der Slow Motion Phaco - aber nicht nur.
"In den vergangenen 20 Jahren haben wir Techniken und Technologien gefunden, die die Katarakt-Operationen sehr sicher, die Ergebnisse gut vorhersehbar und sehr erfolgreich für den Patienten gemacht haben", meint Osher. Er spricht damit die neuen Methoden der Bekämpfung zum Beispiel des "weißen Katarakts", des Kataraktes mit bräunlicher Einfärbung oder des Kataraktes mit Astigmatismus an. An der Entwicklung der Kombination der Phako- mit der small-incission-Technik war Osher ebenfalls beteiligt. Nicht immer waren die Arbeitsweisen von Osher unumstritten - aber viele zählen heute zum Standard.
In den vergangen Jahren arbeitete Osher an Healon 5 zum Beispiel beim Katarakt mit endothelialer Dystrophie. Wirklich essentiell ist die Entwicklung von passenden Maßnahmen bei der Kombination Katarakt und Krebs, schließlich besteht für die Patienten Lebensgefahr. Dabei sieht Osher den Kataraktspezialisten in der Rolle desjenigen, der die größte Kenntnis für den individualisierten Einsatz der Intraokularlinsen hat. In Cincinnati wird daneben an prothetischen "iris devices" gearbeitet. Osher schwärmt, diese Prothesen würden die Form der Iris vollständig wiederherstellen. Die Arbeitsgruppe publizierte die Ergebnisse aus den ersten sechs Fälle im Jahre 1999. Bis auf einen Fall wurde die Sehkraft stark verbessert. "Alle Patienten sind glücklich - ob FDA-proofed oder auch nicht", berichtet Osher. Die größten Herausforderungen seines Lebens waren für ihn bislang allerdings nicht die komplizierten Kataraktfälle, sondern seine Kinder. Dies wird den umtriebigen Ophthalmologen jedoch nicht daran hindern, seine zahlreichen Projekte weiterhin zu verfolgen - und auch gut zu verkaufen.
Mehr von Robert H. Osher lesen Sie in unserem Exklusivinterview.

