LASIK und andere Techniken, Interview mit MD Douglas D. Koch
LASIK wird bleiben - aber andere Techniken kommen, Interview mit MD Douglas D. Koch
30.10.2000
Die LASIK bekommt eine zunehmend stärkere Konkurrenz, und manche glauben, dass sie nicht unbedingt die wichtigste Technik der zukünftigen Refraktiven Chirurgie sein wird. Diesen Eindruck vermittelt das Interview, das augen.de exclusiv mit Douglas D. Koch, MD, einem der Programm Directors des Subspeciality Tages "Refractive Surgery 2000" beim diesjährigen AAO-Meeting geführt hat.
Augen.de: Was war für Sie bislang das Highlight des Meetings?
Douglas D. Koch: Weil ich in meiner Praxis viele LASIK-Patienten habe, war das Highlight des ersten Tages die ausführliche Besprechung der Komplikationen dieser Technik. Ich glaube, wir haben heute eine der vollständigsten Diskussionen zu den möglichen Komplikationen der LASIK auf einem Kongress gesehen. Sie kann dem Arzt bei der Entscheidung helfen: Welche Patienten sind Kandidaten für die LASIK und bei welchem kommt sie nicht in Frage.
Augen.de: Eigentlich sind Komplikationen bei der LASIK eher eine Seltenheit. Warum also ein solcher Schwerpunkt?
Douglas D. Koch: Komplikationen sind bei der LASIK nicht häufig. Aber wenn sie passieren, dann sind sie schwerwiegend. Wir dürfen dabei nie vergessen, dass es gesunde Patienten sind, die wir operieren. Erst jetzt werden einige Langzeitkomplikationen sichtbar, die auch von einer Visusminderung begleitet sein können. Nun beginnen wir zu verstehen, welche Patienten ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung dieser Komplikationen haben und entwickeln Alternativen für deren Behandlung.
Augen.de: Ich dachte die Kriterien für die Indikation der LASIK sind mehr oder weniger eindeutig...
Douglas D. Koch: Sie sind dabei, eindeutig zu werden. Zum Beispiel machen einige Kollegen LASIK noch bei einer Dicke der Cornea von 400 µm. Wir haben heute drei oder vier Leute gehört, die sind der Meinung, dass LASIK ab der Dicke von 400 µm möglicherweise keine gute Idee ist. Dies sind nicht Ergebnisse streng wissenschaftlicher Studien, aber wichtige Erfahrungen aus dem klinischen Alltag. Wir bekamen mehr Informationen über die Anwendung der PRK bei Patienten, die keine guten Kandidaten für die LASIK sind, weil bei ihnen zum Beispiel ein schwaches Korneaepithel oder eine abnormale Topographie der Kornea vorliegt, also den Patienten, die ein erhöhtes Risiko tragen, eine Athesie nach der Operation zu entwickeln. Diese Informationen bestätigen das, was ich in meiner eigenen Praxis sehe: Die Zahl der Fälle, die ich per PRK behandele, nimmt zu. Auch Intacs sind möglicherweise interesant bei Patienten, die eine zu dünne Kornea aufweisen.
Augen.de: Sie glauben also, dass LASIK zukünftig seltener eingesetzt wird?
Douglas D. Koch: LASIK wird zukünftig weniger eingesetzt. Ich glaube, dass die PRK besser wird, eine Form der intracornealen Linse wird sich beweisen und in fünf oder zehn Jahren werden wir mehr intercorneale Linsen einsetzen als dass wir LASIK durchführen. Es ist schwer zu sagen, aber ich glaube, die neuen Techniken bieten aufregende Möglichkeiten.
Augen.de: Hier wurden entsprechende Studien mit acht Patienten vorgestellt...
Douglas D. Koch: Mit den intracornealen Linsen arbeiten zur Zeit mehrere Unternehmen. Es gibt eine großes Interesse an der Entwicklung von Biomaterial in intracornealen Linse. Überlegen Sie - dies ist ein sehr interessantes Konzept. Man kann individualisierte Linsen herstellen, die perfekt auf den Visus des Patienten eingestellt sind. Sie können die Linse gegebenenfalls austauschen, wenn das Auge zum Beispiel stärker hyperop wird, wenn die Aberration sich ändert, oder der Patient wird presbyopisch und möchte eine mono- oder multifokale Linse. Das alles können Sie allein mit LASIK nicht erreichen. Einfach weil das Gewebe zu dünn wird.
Augen.de: Sie erwähnten die Presbyopie...
Douglas D. Koch: Die Implantate für Presbyopie sind im Durchmesser kleine, 1,8 bis 2,2 mm, Hyrogel-Linsen. Wie Prof. Richard L. Lindstrom erwähnte, hatte er zwar viele Explantate: vier von 15. Aber er hatte auch viele glückliche Patienten. Positiv ist, dass man die Linsen herausnehmen kann.
Augen.de: Die Inzcission bleibt…
Douglas D. Koch: Ja, deswegen testen die Patienten vor der Operation weiche Spezial-Kontaktlinsen, die die gleiche optische Qualität wie die Implantate besitzen. Sie sollen ihnen ein Gefühl für die neue Linse vermitteln, damit sie die Entscheidung sicherer treffen können.
Augen.de: Die Zukunft gehört also einem Mix aus unterschiedlichen Möglichkeiten?
Douglas D. Koch: Ja. LASIK, Intacs, intracorneale Linsen und Intraokularlinsen. Interessant ist auch die Laser-Thermo-Keratoplastik. Vermutlich wird ein "non-contact"-Modell zukünftig getestet. Die vergangenen fünf Jahre wurden von der LASIK dominiert, aber wer weiß welche Techniken in den nächsten fünf Jahren dominieren. Die Zukunft der LASIK hängt davon ab, wie sich die anderen Techniken entwickeln.
Augen.de: Vielen Dank für das Gespräch.

