Jeder Ophthalmologe braucht eine Web-Seite
Jeder Ophthalmologe braucht eine Web-Seite
30.10.2000

"Dieses Jahr war erfolgreich für die Ophthalmologie in diesem Land - und auf der gesamten Welt." Dies steht für Kenneth Tuck fest. Er ist seit dem Angang dieses Jahres Präsident der American Academy of Ophthalmology (AAO) und wählte diese Worte, als er am Sonntag, 22. Oktober 2000, begeistert das diesjährige Meeting eröffnete. Dieses war auch in diesem Jahr wieder ein Mammutunternehmen: 24.000 Teilnehmer und 500 Aussteller belebten das Dallas Convention Center.
Auch kurz vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen Rede bleibt seine nicht sehr politisch. Tuck verkneift es sich, konkrete Wahlempfehlungen zu geben. Dennoch taucht ein Name immer wieder auf: John F. Kennedy, der ehemalige Präsident der USA, wird immer erwähnt. Das liegt jedoch wohl nicht daran, dass Tuck eine Fingerzeig geben, sondern wohl vielmehr daran, dass Kennedy in Dallas erschossen wurde. Wirklich wichtig ist für Tuck die Berufspolitik.
"Wenn Sie Dinge bewegen wollen, dann vereinigen Sie die Kräfte", betont Tuck. Das geht in Richtung Fachgesellschaften. Dass die nicht immer an einem Strang ziehen, das ist auch in Deutschland nicht unbekannt. Aber auch hier gibt Tuck ein positives Fazit seiner bisherigen Amtszeit: Neben den Subspecialty Days, die am gleichen Orte an den Tagen zuvor stattgefunden haben, finden Subspezialsymposien auch während des AAO Meeting statt. Das trägt nicht unbedingt dazu bei, die Übersicht zu behalten - selbst das AAO Meeting kann nur eine endliche Größe haben. Dennoch ist der Austausch mit den Fachgesellschaften wichtig. Durch die Kooperation wurde zumindest verhindert, dass es doppelte Veranstaltungen gab. Wichtiger ist die Zusammenarbeit in Sachen Leit-/Richtlinien. Die AAO hat mit der "American Society of Cataract und Refractive Surgeons" (ASCR) gemeinsame comanagemanagment guidelines entwickelt.
Tuck sucht auch die Zusammenarbeit mit Regierung und Industrie. Er erwähnt zum Beispiel das Projekt, das die AAO gemeinsam mit Pharmacia durchzieht. Das Unternehmen spendete 1,5 Millionen Dollar für das EyeCare America®, das zum Ziel hat, die Inzidenz des nichtentdeckten Glaukoms zu reduzieren. Mehr als einer halben Millionen Menschen wurde so der Zugang zur kostenlosen Behandlung ermöglicht.
Gemeinsam mit Patientenrechtsorganisationen hat die AAO eine Koalition gebildet, die nach Einschätzung Tucks Einfluss auf das Repräsentantenhaus hat.
Die Patienten sind insgesamt kritischer geworden: "Die Patienten nutzen die Informationen aus dem Internet, um sich zu informieren", beschreibt Tuck. Eine Entwicklung, der der Präsident der AAO positiv gegenübersteht. So meint Tuck, dass die AAO auf dem Wege zu einer "e-Academy" ist. Er betont, dass die Akademie den Ophthalmologen über Medien hilft, Web-Seiten zu erstellen, damit Patienten leichter den Weg zur hochqualitativen Medizin finden. Tuck fordert: "Jeder Ophthalmologe muss eine eigene Web-Seite besitzen."
Nichtsdestotrotz gilt: "Jeder soll das leisten, wozu er nach seinem Lebenslauf in der Lage ist." Dieser Ruf von Tuck ist zwar typisch amerikanisch, kann aber durchaus auch in Deutschland angewendet werden.

