Wavefront-Analyse von Aberrationen höherer Ordnung bei Kataraktpatienten
Ausgabe März 2002
Exzerpt aus
Kuroda T, Fujikado T, Maeda N et al.
Wavefront analysis of higher-order aberrations in patients with cataract,
J Cataract Refract Surg 2002; 28:438-444
zusammengestellt von Doris Meixensberger und Dr. Dieter Klaas
Wavefront-Analyse von Aberrationen höherer Ordnung bei Kataraktpatienten
An der Osaka University Medical School wurden lokale Brechungsänderungen und Aberrationen höherer Ordnung an zwei Patienten mit Kern- oder Kortexkatarakt bestimmt. Bei den Patienten handelte es sich um eine 22jährige Frau (Fall 1) mit beidseitiger sich entwickelnder Kernkatarakt und um eine 68jährige Frau (Fall 2) mit milder beidseitiger Kortexkatarakt. Eine Wavefront-Analyse sowohl okularer als auch kornealer Aberrationen wurde mit dem Hartmann-Shack-Aberrometer durchgeführt. Das Aberrometer arbeitet mit einem Wellenfront-Sensor und einer infraroten Leuchtdiode als Lichtquelle, wobei das vom Auge reflektierte Licht vom Sensor aufgenommen wird und so die lokalen Aberrationen berechnet werden können.
Beim ersten Fall konnte eine Verzögerung der Wellenfront festgestellt werden, die bei beiden Augen eine myopische Verschiebung in der zentralen Pupillarebene bewirkte und mit der Kernkatarakt einherging. Die spherische Aberration (rechtes Auge 36%, linkes Auge 21%) überstieg die strichförmige Aberration in beiden Augen. Beim zweiten Fall zeigte sich eine Verschiebung der Wellenfront, die zu einer hyperopen Verschiebung insbesondere im unteren temporalen Pupillarbereich führte und mit der Kortexkatarakt einherging. In beiden Augen war die strichförmige Aberration ausgeprägter als die spherische Aberration (rechtes Auge 63%, linkes Auge 52%). Die Polarität der spherischen Aberration dritter Ordnung war negativ in Fall 1 und positiv in Fall 2. Die kornealen Aberrationen höherer Ordnung waren bei beiden Patienten gering und zeigten eine andere Verteilung als die okularen Aberrationen höherer Ordnung.
Mit dem Hartmann-Shack-Aberrometer ist es erstmals möglich, den irregulären Astigmatismus von Katarakt-Augen genau zu bestimmen. Anhand der beiden untersuchten Fälle konnte gezeigt werden, dass einer subjektiven Verschlechterung des Kontrastsehens objektiv messbare Aberrationen höherer Ordnung zugrunde liegen.
Das Hartmann-Shack-Aberrometer erwies sich als nützlich in der Bestimmung lokaler refraktiver Veränderungen und Aberrationen höherer Ordnung bei Patienten mit milder Katarakt. Die Polarität und der Absolutwert okularer Aberrationen höherer Ordnung eignen sich gut für die Charakterisierung von Katarakt-Augen.

