Automatisierte Kurzwellen-Perimetrie, Frequenzdopplungsperimetrie und Muster-Elektroretinographie in der Vorhersage progressiver glaukomatöser Standard-Gesichtsfelddefekte
Ausgabe Mai 2002
Exzerpt aus
Bayer AU, Erb C.
Short Wavelength Automated Perimetry, Frequency Doubling Technology Perimetry, and Pattern Electroretinography for Prediction of Progressive Glaucomatous Standard Visual Field Defects,
Ophthalmology 2002; 109:1009-1017
zusammengestellt von Doris Meixensberger und Dr. Dieter Klaas
Automatisierte Kurzwellen-Perimetrie, Frequenzdopplungsperimetrie und Muster-Elektroretinographie in der Vorhersage progressiver glaukomatöser Standard-Gesichtsfelddefekte
Anhand einer prospektiven, longitudinalen beobachtenden Fallserie an 152 Patienten mit durch Standard automatisierter Perimetrie (SAP) diagnostiziertem primärem Offenwinkelglaukom und bilateralen glaukomatösen Gesichtsfelddefekten wurde in einem 30monatigen Follow-up mit jeweils 6monatigem Abstand die mittels automatisierter Kurzwellen-Perimetrie (SWAP), Frequenzdopplungsperimetrie (FDT) und Muster-Elektroretinographie (PERG) bestimmte Vorhersagbarkeit progressiver glaukomatöser Gesichtsfelddefekte verglichen. Die SAP- und SWAP-Messungen wurden mit dem Humphrey Field Analyzer (HFA 750, Humphrey-Zeiss) durchgeführt. Für die FDT-Messungen wurde ein Frequency Doubling Technology-Perimeter (FDT, Welch-Allyn und Humphrey/Zeiss), für die PERG-Messungen ein UTAS-E 2000 System (LKC Technologies) verwendet.
Die Patienten wurden in zwei Gruppen mit und ohne durch Standard automatisierte Perimetrie ermittelten progressiven Gesichtsfeldverlust eingeteilt. Auf Basis dieser beiden Gruppen wurde geprüft, in welchem Umfang die drei untersuchten Meßmethoden die Vorhersage weiterer Gesichtsfeldverluste ermöglichen.
Auf Basis der Kriterien für mit SAP bestimmten progressiven Gesichtsfeldverlust gemäß der Collaborative Normal Tension Glaucoma Studie ergaben sich in der Studiengruppe bei 54 Augen der 54 Patienten mit primärem Offenwinkelglaukom progressive Defekte, wogegen bei den 84 Augen der Kontrollgruppe bestehend aus 84 Patienten mit primärem Offenwinkelglaukom keine Progression beobachtet werden konnte. Bei nur 11,1% der Augen mit durch SAP ermittelter Progression ergaben die drei funktionalen Tests vor Auftreten der Progression keine zusätzlichen Defizite. Mit SWAP konnten frühe progressive Defekte gemäß SAP in 43 von 54 Augen bzw. 79,6% der Fälle bestimmt werden. Bei diesen 54 Augen mit primärem Offenwinkelglaukom ergab FDT progressive Defizite in 40 Fällen bzw. 74,1%, verglichen mit 35 bzw. 64,8% der mittels PERG mit Amplitude P1N2 untersuchten Augen vor mit SAP diagnostizierter Progression des Gesichtsfeldverlustes. Mit einer Testreihe bestehen aus SWAP und PERG mit Amplitude P1N2 konnten 88,9% der Augen vor der Vorhersage eines Gesichtsfeldverlustes mittels SAP identifiziert werden. Beim Vergleich der Ergebnisse der beiden funktionalen Tests zeigten SWAP und FDT bei den 84 Augen ohne Progression des Gesichtsfeldverlustes gemäß SAP zwischen Baseline und 30 Monaten progressive Defizite bei 34,5% bzw. 35,7%.
Mit allen drei geprüften Testmethoden konnten erfolgreich Glaukome mit künftiger Progression der Standard-Gesichtsfelddefekte identifiziert werden. Dabei zeigte sich eine Überlegenheit hinsichtlich der Vorhersagbarkeit dieser progressiven Defekte bei SWAP und PERG mit P1N2-Amplitude im Vergleich zu SAP. Der weitere Follow-up der Augen mit primärem Offenwinkelglaukom wird zeigen, ob sich die falsch-positiv-Rate von ca. 30% der SWAP- und FDT-Methode im weiteren Verlauf verbessert.

