Wie gut soll meine Sonnenbrille sein?

Meine Sonnenbrille soll die Augenlinse vollständig vor dem aggressivem UV-Licht und die Netzhaut weitgehend vor dem gefährlichen Blauanteil im weißen Sonnenlicht schützen. Das ist nötig, weil diese Strahlungen über 20 Jahre lang völlig unbemerkt schädigend wirken. Erst dann erkennt der Augenarzt die Trübung der Augenlinse (grauer Star) und Sehschäden im Sehzentrum (Makuladegeneration). Diese erscheinen heute bei jedem Fünften der 65-jährigen. Der nötige Lichtschutz hängt ab vom Gestell und den Gläsern.

Er wird erheblich verstärkt durch Beschattung der Augen (Baseballmütze, breitkrempiger Hut).

Das Gestell muss dafür sorgen, dass möglichst wenig ungefiltertes Streulicht von oben und unten sowie besonders von der Seite ins Auge fällt. Ein kleines oder flaches Gestell mit dünnen Bügeln entwertet die besten Gläser. Es kann sogar schädlich wirken, da sich hinter den dunklen Gläsern die Pupillen weit öffnen und damit noch mehr UV- und Blauanteile des Lichtes in die Augen fällt.

Die Gläser müssen unbedingt „UV-400“- Schutz haben. Der häufig angebotene „100% UV-Schutz nach EU-Norm“ reicht nicht aus. Gegen das sichtbare Sonnenlicht schützen nur Gläser optimal, deren Durchlässigkeit im Blaubereich (400-500 nm) besonders gering ist (2 - 9 %). Der warme Ton dieser Gläser bietet zugleich erhöhte Sehschärfe und Farbkontraste!

Leider kann niemand diese wichtigen Eigenschaften durch bloßes Hindurchschauen erkennen. Aber graue oder blaue Gläser schützen die Augen nicht genügend. Sicher sind nur Sonnenbrillen, deren Lichtdämpfung (z. B. vom Hersteller) gemessen wurde und die den gewünschten Schutz von Augenlinse und Netzhaut garantieren.

Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse wurden vorwiegend in den USA und in der Schweiz erarbeitet. In Deutschland sind diese – auch am Markt – noch so wenig bekannt, dass sogar teure Sonnenbrillen ohne Kenntnis der Lichtdämpfung für die verschiedenen Farbbereiche des Sonnenlichtes verkauft werden. Selbst in einem Test von Mai 2005 („Test“ Zeitschrift der Stiftung Warentest) wurden weder farbspezifische Lichtdämpfung noch Streulichtanteile geprüft! Es wundert daher nicht, dass nur selten angemessen beraten werden kann.

Eine sichere Hilfe bietet die Aufstellung auf der Rückseite, die nur Modelle und Gläser enthält, die die Anforderungen an Streulichtarmut und Lichtdämpfung voll erfüllen (Auswahl). Alle diese Gläser erhöhen Farbkontrast und Sehschärfe.

Wer schon vom grauen Star oder Makuladegeneration betroffen ist, sollte auf diesen optimalen Lichtschutz ganz besonders achten. Nach einer Staroperation ist ein solcher Lichtschutz unverzichtbar, weil die eingepflanzte Kunstlinse die schädlichen Lichtanteile schlechter filtert (absorbiert) als die entfernte natürliche Linse. Die neuen gelblichen Kunstlinsen vermeiden weitgehend diesen Nachteil, da sie der Durchlässigkeit der natürlichen Linse eines 50jährigen entsprechen.


Die richtige Gesamt-Lichtdämpfung (GL)

Typ GL Anwendung
Sonnenschutz- ca. 60%-70% bei schwacher Sonne, Blendschutz
gläser 80% - 86% bei Sonne, auch am Meer und im Gebirge 90% - 95% bei sehr starker Sonne (südliche Strände, Schnee im Gebirge)
  90% - 95% bei starker Sonne(südliche Strände, Schnee im Gebirge)
Orangegläser 40%-50% starke Kontraststeigerung und Blendschutz bei jedem Licht. Tagesbrille bei Makuladegeneration.
Gelbe Gläser 20%-25% Blendschutz, auch bei Nachtfahrten. Tagesbrille nach Staroperation

 

Komplette Sonnen- und Lichtschutzbrillen
deren Gestelle ungefiltertes Streulicht weitgehend ausschließen (und Wind abweisen):
Preisgünstige Modelle (um 15 Euro) mit hervorragendem Streulicht- und Windschutz, breiter Rundsicht und schlagfesten Gläsern (z.T. beschlagfrei) gibt es im Versandhandel:
AugenLichtSchutz, Tel. 02244/87840-98; Fax -99; www.augenlichtschutz.de;
E-mail: infoaugenlichtschutzde. Hier sind auch geeignete Orange- („red“) und Gelbfilter („yellow sx“) erhältlich. Unter den angebotenen Brillen gibt es auch „Überbrillen“, die über einer Korrekturbrille getragen werden können. Achten Sie in diesem Falle auf die Gesamtbreite Ihrer Korrekturbrille.
Beim Optiker: Arnette 4041-217/73 (88% Dämpfung); 4025-623/3 (91% Dämpfung); Killer Loop 4146-760/73 (91% Dämpfung). Silhouette: Ideal Protection, Ideal POL brown (je 90% Dämpfung). Serengeti Sport Classics Drivers Cat. 2-3 (hell 76% / dunk. 91% Dämpfung), Drivers Pol. Cat. 3 (hell 82% / dunk. 90% Dämpfung).

Sonnenschutzgläser (auch mit Sehkorrekturen erhältlich)

Firma Produkt Gesamt-Lichtdämpfung
Essilor ORMA RT 85 85% (bis 425 nm ca. 100%)
  ORMA RT 95 1) 95% (bis 540 nm ca. 100%)
  Extrem 1 2,4) 74%
  Extrem 2 80% (bis 450 nm 100%)
HOYA DRIVE 4) 71% (bis 425 nm 100%)
  SPEED 4) 86% (bis 435 nm 100%)
  SNOW 91% (bis 450 nm 100%)
Rodenstock SunContrast orange 3,4) 40% (bis 465 nm 100%)
  SunContrast bernstein 4) 80% (bis 430 nm 100%)
  SunContrast braun 4) 85%
ZEISS Pro Golf orange 3,4) 40% (bis 490nm 100%)
  skylet road 2,4) 80%
  skylet sport 90% (bis 450 nm 100%)

1) Bei starker Blendung;
2) etwas geringere Blaudämpfung;
3) auch bei Makuladegeneration als Tagesbrille, verkehrstauglich bei Tage (im Gegensatz zu den Kantenfiltern MLF 511 bzw. ZEISS F540);
4) verkehrstauglich bei Tage.


Man suche aus verschiedenen Gläsern das angenehmste aus und wähle ein Gestell mit sehr gutem Streulichtschutz. Die Gläser dürfen nicht zu dicht am Auge sitzen, da diese sonst leicht von den Wimpern verschmiert werden. Gute Vergleichsmodelle sind Armani GA 52S, Rodenstock Sonnenbrille und Pro Act 3137, Schweizer Optik Neostle.

Bezugsquelle: Prof. Dr. S. Hünig, Würzburg, März 2008