Histologische Hornhautbefunde mehrere Monate nach Transplantation einer Amnionmembran in das Stroma
Ausgabe März 2002
Exzerpt aus
Gris O, Wolley-Dod C, Güell JL et al.
Histologic Findings after Amniotic Membrane Graft in the Human Cornea,
Ophthalmology 2002; 109:508-512
zusammengestellt von Doris Meixensberger und Dr. Dieter Klaas
Histologische Hornhautbefunde mehrere Monate nach Transplantation einer Amnionmembran in das Stroma
Diese Studie von Gris et al. dokumentiert die histologischen Ergebnisse und klinischen Aspekte von zwei Fällen mit neurotrophischem Hornhautulcus nach Versorgung mit einer Amnionmembran. Die Ergebnisse dieser beiden Fälle waren leicht unterschiedlich, teilweise aufgrund der unterschiedlichen Dauer, für die die Amnionmembran in den beiden Fällen im Stroma verblieb (3 und 7 Monate) und aufgrund des Vorhandenseins oder Fehlens einer Stromavaskularisation. Es konnte jedoch einige allgemeine Rückschlüsse aus den histologischen Ergebnissen gezogen werden: Die Amnionmembran konnte über der Basismembran eine ausreichende Epithelbildung des Gewebes erzeugen. Nach Absorption der Amnionmembran wurde diese durch ein neues fibrotisches Stromagewebe ersetzt, das die Hornhautdicke teilweise erhielt, jedoch nicht die Transparenz eines gesunden Stromas aufwies.
Bei der Hornhaut mit Stromavaskularisation wurde das Transplantat aufgrund der Vielzahl entzündlicher Zellen schnell absorbiert. Das Gegenteil konnte bei der avaskulären Hornhaut beobachtet werden, bei der eine langsame Absorption der Amnionmembran stattfand und es zu keinerlei entzündlichen Reaktionen kam. Die Autoren konnten beobachten, dass das Transplantat mehrere Monate im Stroma verblieb, wodurch die Hornhauttransparenz während dieses Zeitraums beeinträchtigt wurde. Daher wird die Transplantation einer Amnionmembran nicht als therapeutische Alternative erster Wahl empfohlen in Fällen, in denen eine gute Sicht auf die Netzhaut postoperativ aufgrund einer möglichen intraokularen Operation oder Laserbehandlung erforderlich ist. Statt dessen sollten Optionen wie eine temporale Tarsorraphie in Betracht gezogen werden.

